
VIETNAM
Rückbesinnung im Wandel der Zeiten
Asien, hinter diesem Begriff vermuten viele Besucher exotische Szenerien – in Vietnam spiegeln jene Bilder sich in unendlich weiten Reisfeldern, in malerischen Palmhainen, winzigen Dörfern und gemächlich dahin ziehenden Herden von Wasserbüffeln wider. Endlose Sandstrände wechseln sich ab mit hohen Bergmassiven, malerische Fischerdörfer eröffnen die Blicke auf verträumte Lagunen. Das Mekong Delta bietet sich als scheinbar unberührtes Biotop aus Sümpfen, Flüssen und kleinen Inseln dar, zwischen den Dörfern der Region erfolgt der Handel noch in alten Holzschiffen. Während andernorts in Asien Modernitäten die Traditionen so verändern, dass den uralten Kulturen nur noch wenig Raum für einen authentischen Lebensstil bleibt, verharrt der Fortschritt Vietnams im bezaubernden Charme einer provinziellen, klein-agrarischen Prägung.
Dabei zeigt auch die Entwicklung Vietnams rasante Vorgehensweisen, doch hat dieses Land, das im Norden an China und im Westen an Laos und Thailand grenzt, noch immer gegen die Auswirkungen jener Zeit zu kämpfen, die als Vietnam Krieg in die Geschichte eingegangen ist. Wenngleich dieses vernichtende Kapitel offiziell schon 1975 beendet war, so haben die Wunden der Zäsur noch lange das Bild Vietnams bestimmt. Auch noch, als Hollywood Einzug hielt und auf den ehemaligen killing fields einen Mythos Vietnam kreierte, der weit von jeglicher Realität entfernt war.
All dies aber konnte die Vietnamesen nicht davon abhalten, ihr Land wieder aufzubauen – jedoch nicht als ehemaligen Kriegsschauplatz. So sollte es nicht erstaunen, dass Vietnam heute kaum mehr Spuren der Verwüstung zeigt, obwohl das Land noch vor 35 Jahren aus nahezu nichts anderem als verbrannter Erde bestand. Zugrunde gerichtet von 13 Millionen Tonnen Bomben und mehr als 70 Millionen Litern Herbiziden.
Angesichts der damals jüngsten Vergangenheit aus sozialistischer Planwirtschaft, Jahrzehnte dauernden Wirtschaftsblockaden und 30 Jahren Krieg gegen Franzosen und Amerikaner, mutete es nahezu zynisch an, dass auf den planierten Schützengräben Golfplätze entstanden, wohlgefällig anzusehen, mit ehemaligen Bombenkratern als Seen, lauschig im Schatten tropischer Vegetation. Sie hatte sich ebenso schnell erholt, wie die Vietnamesen die Entwicklung ihres Landes voran treiben wollten, da waren die ersten Golfplätze als Signal des Aufbruchs in ein Zeitalter von Prosperität und Weltoffenheit zu sehen.
Tatsächlich ist aus diesen Anfängen ein Hort ungewöhnlicher Gastfreundschaft entstanden – weit davon entfernt, den Bildern oberflächlicher Darstellungen genügen zu wollen, auch wenn dies längst zum Stil anderer asiatischer Destinationen geworden ist. Noch immer bestimmen agrarische Zyklen den Alltagsrhythmus der Vietnamesen und selbst Hanoi, die Hauptstadt des Landes lebt von ländlichen Sujets. In Saigon hingegen, der Metropole im Süden des Landes stellt die Mischung asiatischer, amerikanischer und europäischer Lebensarten eine kosmopolitische Kulisse dar. Dazwischen ist Raum für die Luxusanlagen exklusiver Resorts und großzügige Hotelanlagen, für eine unerwartet große Auswahl exquisiter Restaurants, Bars und Cafés – all das als Szenerien feiner Lebensarten.
Vietnam – das ist für den Besucher eine Welt aus asiatischer Exotik, die, ausgestattet mit den Attributen westlicher Modernitäten den Ansprüchen aller Gäste gerecht wird – ohne jedoch die ureigene Identität je zu verleugnen.

