SEYCHELLEN
Es war Sonntag, jener Tag an dem Gott die Erschaffung der Welt beendet hatte. Entgegen der landläufigen Meinung war es erst Mittag – nicht, wie oft gesagt wird, schon gegen Abend – als alles getan war. Also setzte Gott sich bequem hin und beguckte sein Werk im Ganzen und in Ruhe. Hübsch, dachte er und sah, dass ihm besonders Afrika gut gefiel, mit seinen wunderschönen Farben, der wärmenden Sonne, den vergnügten Menschen und den vielen Wildtieren. Außerdem fand er den Schwung der Küste so gelungen. „Ach,“ seufzte er zufrieden und tippte mit seinem Zeigefinger ein wenig an der Ostküste herum.
Das knirschte gewaltig, doch da Gott schon ein älterer Herr war und nicht mehr so gut hörte, sah er erst, was er angerichtet hatte, als die abgebrochenen Landstücke sich schon abgelöst hatten und hinaus auf den Indischen Ozean schwammen. „Du lieber Himmel,“ sagte Gott und wollte die Teile wieder zusammen und zurück an die Küste schieben, doch je mehr er fummelte, desto weiter brachen die ohnehin schon kleinen Splitter auseinander und schwammen lustig überall hin.
An dieser Stelle lachen die Seychellois immer, wenn sie die Legende von der Entstehung der Seychelles erzählen und fügen dann noch hinzu, dass die Komoren sich wohl wieder ein Stück zurück schieben ließen, während ihre eigene Inselgruppe sich erst eine ganze Strecke weiter draußen festigte. Dass die Komoren, wie Mauritius und Reunion vulkanischen Ursprungs und die Seychelles Reste der ehemaligen Landbrücke zwischen Ostafrika und Indien sind, ist im Rahmen dieser wunderbaren Entstehungssage unwichtig, zumal der romantische Zusammenhang so gut zur traumhaften Szenerie des Archipels passt.
Weiße, nahezu unberührte Sandstrände, von Palmen gesäumt, die bis ins kristallklare tiefblaue Meer wachsen; Unterwasserlandschaften, die mit ihren farbigen Riffen und den dichten Schwärmen bunter Fische wie Szenerien aus sinnlichen Träumen wirken; steil aus dem Meer herausragende Granitfelsen, eine üppige, tropische Vegetation; ewigblauer Himmel, ein ständig sanft wehender Wind, Temperaturen, die sich ausschließlich im Wohlfühlbereich bewegen und hier und da ein kleiner Regenschauer, fein wie ein erfrischender Hauch – das sind die Seychelles.
Die 92 Inseln des Archipels verteilen sich auf 455 Quadratkilometern, die rund 70 000 Einwohner, Nachfahren von Weißen und afrikanischen Sklaven, bewohnen jedoch fast ausschließlich die Hauptinsel Mahé. Ohnehin sind nur wenige der Eilande bewohnt, auf der 150 Quadratkilometer großen Hauptinsel hingegen konzentriert sich das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Leben des Archipels.
Hier befindet sich mit Victoria auch die Hauptstadt und einzige Stadt der Seychelles. Das hört sich nach Betriebsamkeit und heftigen Umtrieben an, doch garantiert die Hingabe der Seychellois zur bedingungslosen Lebensart des laisser faire auch jedem Besucher unendlich viel Zeit und Platz zum Wohlfühlen, zur Zufriedenheit, zum Ausspannen und das ohne Einschränkungen und individuell, denn für Massentourismus ist kein Platz auf den Seychelles. Nicht einmal auf Mahé, auch nicht auf Praslin, nicht auf Conception- oder Silhouette Island, nicht auf Long- und nicht auf Fregate Island. Nicht auf la Digue, nicht auf Cousin Island, nicht auf Anse Possession, nirgendwo auf den Seychelles, auch wenn die Ökonomie des Archipels vom Tourismus lebt – zu merken ist diese Ausrichtung nicht mit einer Nuance.
Und die Domizile einer superluxuriösen Beherbergungskultur sind nur zu ahnen – die Seychelles haben sich ihre besondere und ganz eigene Prägung durch alle bewegten Zeiten moderner Reisegelüste hindurch erhalten.