Johannesburg
Das andere Gesicht Südafrikas
Johannesburg und seine Schwesterstadt Pretoria, heute Tshwane, bilden den urbanen Mittelpunkt einer Landschaft, die von Skylines beherrscht wird und nicht von Bergsilhouetten. Im östlichen Landesinneren gelegen, ist Johannesburg die Drehscheibe von Industrie, Handel, Wirtschaft – von internationalem Big Business. In Tshwane oder Pretoria hingegen hat die Verwaltung des Landes ihr Zentrum und halbjährig sogar die Politik, in Form des gesamten Parlamentsapparates, der dann von Kapstadt umzieht.
Über den Flughafen in Johannesburg kommt jener Teil der Südafrika-Gäste ins Land, der beispielsweise eine Safari im Krüger Nationalpark gebucht hat oder aber in einem der Private Game Reserves in dessen Umgebung. Es wäre jedoch unangebracht, Johannesburg samt der Region unbeachtet zu lassen. Vielleicht aufgrund der hohen Kriminalitätsrate, vielleicht weil man glaubt, dass es nichts Interessantes zu sehen gibt.
Mit beiden Annahmen ist der Besucher nicht richtig informiert. So kann man anhand eines verantwortungsvoll gestalteten Programms den kriminellen Unbilden aus dem Weg gehen. Im Stadtteil Sandton ganz bestimmt, wo komfortable Unterkünfte weit mehr als nur Sicherheit bieten und wo exquisite Shopping-Offerten die ganze Vielfalt südafrikanischer Kunst und -handwerkstraditionen darstellen.
Und was das Vorurteil von der touristischen Unattraktivität der Region angeht, gilt es nur ein paar Kilometer über die Stadtgrenze hinweg zu schauen, um geradewegs in die Sterkfontain Höhlen zu blicken: Das faszinierende Höhlensystem rangiert im ewigen Streit der Wissenschaftler in Ost- und Südafrika derzeit einmal wieder als Favorit bei der Bestimmung der Wiege der Menschheit. Zudem gelangt man von Johannesburg aus direkt in die Welt des Blyde River Canyons und in den Pilanesberg National Park ebenso schnell wie in die künstliche Wunderwelt des Casino-Stadt Sun City oder in den nördlichen Teil der Drakensberge; in die mystische Welt der Limpopo Province oder man lässt sich auf Begegnungen in Soweto ein …
Immer schon galten sie als zusammen gehörend, die brave Beamtenstadt Pretoria mit ihren Jacaranda gesäumten Alleen (Foto unten) und den Biedermannhäusern und das Himmel strebende, in alle Richtungen ausufernde Johannesburg, das von den meisten schwarzen Einheimischen heute wieder É Goli genannt wird. Das seinen Reichtum aber gerade ihnen nie zukommen ließ. Stattdessen bauten die Machthaber der Apartheid das erste und größte Township des Landes. Soweto wurde zum Synonym von Hass, Rassismus, Unterdrückung und Armut und zum Vorbild für die anderen Städte, die Schwarzen und Coloureds aus ihren Wohnvierteln zu vertreiben, um sie in den jeweiligen Townships zu konzentrieren.
Diese menschenunwürdigen Zustände sollten sich mit dem Ende der Rassentrennung zugunsten einer gleichberechtigten Nation ändern – dass dieser Traum noch lange nicht realisiert sein wird, ist nicht zuletzt eine Folge des 1990 plötzlichen und für alle Südafrikaner völlig überraschenden Endes der Apartheid. Dass daraus und mit der gleichzeitigen Freilassung des Idols Nelson Mandela Hoffnungen erwuchsen, die das Land zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage war zu erfüllen, ist nicht Südafrika-spezifisch – denkt man beispielsweise an das Schlagwort der „blühenden Landschaften“, die nach den Worten des damaligen Kanzler Helmuth Kohl gleich nach der Wiedervereinigung West- und Ostdeutschlands im Osten entstehen sollten.
„Wir haben unseren schwarzen Brüdern und Schwestern gesagt, dass sie fortan alles besitzen können, was sie wollen. Wir haben aber vergessen zu erwähnen, dass auch sie dafür arbeiten müssen!“ Diese Worte Nelson Mandelas zeigen die Irritationen auf, mit denen die Entwicklung des „neuen Südafrika“ zu kämpfen hatte und sich bis heute auseinanderzusetzen hat, denn noch immer klafft die Schere weit zwischen arm und reich.
Diese Diskrepanzen treten besonders deutlich in Johannesburg und im Umland der Stadt zu Tage. Vor einigen Jahren noch war diese Region im gesamten südlichen Afrika die ökonomisch produktivste – bis auf Botswana, wo die gewaltigen Diamantenvorkommen für beständige Prosperität im Land sorgen. Vergleichbar damit waren dereinst auch die Zustände im Einzugsgebiet von Johannesburg und in der Stadt selbst, als die Erträge der unterirdisch lagernden Goldminen noch unerschöpflich zu sein schienen.Schaut man sich um in der Peripherie Johannesburgs und sieht die Hügellandschaft bis zum Witwatersrand reichen, so ist es die Eigenart dieser Szenerie, dass sie eine künstlich Geschaffene ist – angeschüttet von den Erdaushuben aus den Stollen der Goldminen seit 1886. Damals entstand É Goli, nachdem die ersten Goldfunde gemacht worden waren und sich daraufhin sämtliche Glücksritter des Erdballs an dieser Stelle zusammen rotteten.
Innerhalb von zwei Jahren waren aus den Abertausend Hütten entlang der Claims Häuser geworden, 40 000 Weiße lebten schon an dem Ort, den sie „Gauteng“, Platz des Goldes nannten, und 1905 waren es bereits 150 000. 60 000 schwarze Arbeiter kamen je nach Arbeitsaufkommen dazu, sechs Jahre später war ihre Zahl auf 115 000 angewachsen, wobei jene 300 000 Arbeiter, die außerhalb der eigentlichen Stadtkern hausten, noch nicht dazu gezählt worden waren.
Deutlicher als mit derartigen Beschreibungen lässt sich die boomende Entwicklung von Johannesburg und somit auch der heutigen Provinz Gauteng (SeSotho: Platz des Goldes) nicht beschreiben. Zumal dieses Bild sich nicht verändert hat: Aus dem provisorischen Lebensraum der Goldsucher gedieh eine Ansiedlung von Handelshäusern, Läden, Banken und gediegenen Häusern. Sie wurden nach und nach von den Villen der Neureichen in den Schatten gestellt. In ihrem Schlepptau siedelten sich Koryphäen wie der legendäre Architekt Heribert Bakker in Johannesburg an und prägte mit seiner eindruckvollen Backsteinarchitektur heute noch bestehende Nobelorte wie Westcliff beispielsweise.
Das Zeitalter der golden roaring twenties tobte sich in Johannesburg als dem Mekka des Jazz aus. Szenekneipen und Kunstwerkstätten schossen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden, Theater wurden gegründet und Bühnen eröffnet – die Akteure dieser Szene waren zum Großteil schwarz. Ihr grove prägt noch in diesen Tagen eine Vielzahl diverser Musik- und Kunstrichtungen. Ohne den Mut der Künstler, sich unter dem Kuratel der weißen Unterdrückung zu wahren Trendsettern entwickeln, wäre weit mehr als die jetzige Kultur Südafrikas entsetzlich profan.
Die Orte der damaligen Geschehen sind der Market Theatre Complex oder auch der Ortsteil Hillbrow. Leider kann man zurzeit nicht einfach dorthin gehen, allzu aggressiv ist die Stimmung bei den schwarzen Bewohnern dort. Dass sie aus er der noch immer bestehenden Benachteiligung erwächst, ist im gesamten Kern von Johannesburg sichtbar.
Wie man die Stadt an der Basis ihrer Kultur dennoch erleben kann, wie man den Wurzeln, aber auch den Auswüchsen in Soweto auf die Spur kommt, wie sich die Sterkfontain Caves durchwandern lassen, welch attraktive Safaris im Pilanesberg National Park möglich sind, was sich alles so in Sun City erleben lässt und alles andere Wissenswerte erfahren Sie natürlich von uns, von ALBATROS URLAUB –es bedarf auch dazu lediglich Ihrer Fragen!