CHILE

Auf der Landkarte stellt Chile ein geografisches Novum dar: 4.275 Kilometer lang, bei einer durchschnittlichen Breite von nur 188 Kilometern, das ist ziemlich „loco“, wie die Chilenen sagen, ziemlich verrückt. Und doch bildet dieser Streifen Land den Rahmen für eine nahezu unglaubliche Vielfalt landschaftlicher Faszinationen. In den Anden, in Gletschern und Fjorden, in den Wüsten, in heiße Quellen und Geysiren, in bunten, quirligen Städten.

Da ist Santiago de Chile mit ihren wenigen Relikten der kolonialen Architektur, dafür jedoch ist die Hauptstadt Fenster zu den Kordilleren und Ausgangspunkt wahrhaft unterschiedlicher Vergnügungen: Skifahren auf den Pisten von Portillo beispielsweise, in den heißen Bergquellen der Baños Morales und der Baños Colina zu wellnessen oder an den Sandstränden des Pazifischen Ozeans Badeurlaub zu frönen. Ein Name dazu nur: Viña del Mar, die "Perle des Pazifiks" mit tollen Stränden, feinen Hotels und ganz viel Beachlife.

Südlich der Stadt dehnen sich die berühmten Gemüse- und Obstplantagen aus und in der Höhe Temuco, inmitten der großen  Seenplatte, hört man hier und da noch deutsch. Zahlreiche deutsche Auswanderer ließen sich im 19. Jahrhundert hier nieder, die meisten am malerischen Lago Villarrica, in der Kulisse des Schnee bedeckten Villarrica Vulkans.

Derartige Zwischenstopps sind prädestiniert, die Fülle der landschaftlichen Superlative genießerisch zu erleben. Die grüne Szenerie von Arica zum Beispiel – mitten in der Wüste, La Serena und der National Park Fray Jorge. Im Elquital wird Pisco, ein teuflisch guter Traubenschnaps hergestellt und im Norden Chiles dann münden die Routen in der Atacamawüste. Sie gilt als eines der menschenfeindlichsten Gebiete der Erde, dehnt sich bis an die Küstenstädte Antofagasta und Iquique heran und offenbart mit der Oase San Pedro de Atacama ein absolutes Highlight Chiles. Von hier aus gehen die Wege ab ins "Tal des Mondes", an den Atacama-Salzsee und zum rund 4.500 Meter hoch gelegenen Geysirfeld Tatio.

Zurück in Santiago de Chile führt der Weg in den Süden, vorbei an kleinen Fischerdörfern und über die Carretera Austral, die "Straße in den Süden", die sich durch bisher unberührte Fjord-, See- und Gletschergebiete bis Villa O'Higgins zieht. Der größte Traum aller chilenischen Straßenplaner wird sich nur schwer – oder hoffentlich gar nicht – erfüllen lassen: Die durchgängige Verbindung über Land in den tiefen Süden, über das patagonische Eisfeld, durch Fjorde und über Inseln. Darüber hinaus führen die Wege nur durch die Luft, über See oder über Argentinien.

Dafür bleibt der Süden Chiles in seiner fabelhaften Kulisse aus tausend Inseln, Buchten und Kanälen, aus den bizarren Landschaftsformen der Kordilleren mit ihren Gletscherseen und den öden Weiten der patagonischen Pampa. Hier scheinen die Wolken alles umhüllen zu wollen, es fegt eisig und das nicht nur in den langen, langen Wintern und Regen, Schnee und Eis gehören zu nahezu jedem Alltag. Der National Park Torres del Paine ist das Zauberwort der Region, bei dem Naturliebhaber über türkisfarbenen Seen, Schnee bedeckten Gipfeln, kalbenden Gletschern, Wasserfällen, den spektakulären Abbrüchen des Perito-Moreno-Gletschers, reißenden Flüssen, Guanacoherden und einer artenreiche Vogelwelt ins Schwärmen geraten.

Noch südlicher geht’s über die Magellan-Straße nach Feuerland. Seit 1881 ist die 47.000 Quadratkilometer große Insel zwischen Chile und Argentinien geteilt, Porvenir ist die chilenische Ansiedlung und als solche als die wesentlich attraktivere bekannt.

Wenn jedoch von Attraktionen die Rede ist, denken viele Reisende an die 3.700 Kilometer entfernt im Pazifik liegende Rapa Nui, als Osterinsel besser und als Ort der sich erhebenden Steinstelen polynesischer Bildhauer weltweit bekannt. Die kolossalen Figuren sind als Zeugen einer versunkenen Kultur seit Jahrhunderten von den Magien und Mysterien kultischer Verehrung umgeben.

Schon wenig außerhalb von Hanga Roa, der „Hauptstadt“ der Osterinsel, erhält die Faszination an den Bildnisplattformen des Tahai-Komplexes erste Nahrung, doch wenn es dann weiter geht, entlang des Kraterrandes des Rano Kau und zur Zeremonialstätte Orongo mit ihren Petroglyphen und Steinhäusern, dann ist man eingetaucht in das Geheimnis der Osterinsel. Mittendrin befindet man sich dann am vulkanischen Krater des Rano Raraku, aus dessen Tuffgestein fast alle Steinstatuen geschlagen wurden und meterhoch aus dem Grund ragen.

Um das Erlebnis zu komplettieren, sind Besuche der 200 Meter breiten Bildnisplattform Ahu Tongariki und der von Ahu Akivi bestens geeignet, während eine Pause an dem Traumstrand von Anakena sich ruhig auf ein paar Tage ausdehnen könnte. Doch auf solche Ansprüche ist man in Hanga Roa fein eingestellt, wo den Gast neben Stränden eine wahrhaft ausgeklügelte touristische Infrastruktur erwartet.