Reisebericht Zimbabwe - Hwange Nationalpark

2010-10-01 10:00 von Walter Sabaschkow

Kurze Stipvisite im Hwange

Nachdem ich Beks, den Besitzer eines Buschcamps bei einer Veranstaltung von Albatros-Urlaub persönlich kennen gelernt hatte und er meine Neugier mit Bildern seines Somalisa-Camps im Hwange Nationalpark (Zimbabwe) geweckt hatte wollte ich unbedingt diesen Platz besuchen. Also flogen wir über Johannesburg nach Victoria Falls in Zimbabwe. Jetzt sitzen wir in einem Minibus, der uns zum Hwange Park bringt.
Gegen 16:30 Uhr erreichen wir das so genannte „Main Gate“, also den Haupteingang zum Park. Der Hwange ist mit ca. 13.500 km² Fläche der größte Nationalpark Zimbabwes und bekannt für seinen Tierreichtum. Besonders Elefanten und Büffel kommen hier in großer Zahl vor, aber auch Giraffen, Zebras und viele Antilopenarten sind im Park zuhause. Natürlich findet man auch Löwen, Leoparden, Geparden, Hyänen und sogar Wildhunde, um nur die größten Jäger zu nennen.

Auf dem Parkplatz vor den Hütten der Ranger wartet bereits ein offener Jeep auf uns. Alfred, unser Begleiter für die nächsten zwei Tage begrüßt uns herzlich. Wir verstauen unser Gepäck, dann soll es auch schon losgehen. Alfred will den Wagen starten, doch nichts passiert. Er probiert es ein paar Mal – erfolglos. Zu guter Letzt kommen uns zwei Parkangestellte zu Hilfe und wir schieben zusammen das Fahrzeug an. Ich finde es witzig, denn das gehört doch eigentlich zu einem richtigen Abenteuer dazu. Sofort fällt mir mein Lieblingsspruch ein, den ich in den letzten Jahren oft gehört habe: „That´s Africa!“ (So ist das halt in Afrika).
Die Schranke des Parks wird geöffnet und wir fahren los. Laut Alfred werden wir – bedingt durch schlammige Pisten – ungefähr  zweieinhalb Stunden bis zum Camp benötigen. Wir kommen also auf jeden Fall erst in der Dunkelheit an. Na dann wollen wir  hoffen, dass Alfred auch bei Nacht den Weg findet. Wir folgen der Sandpiste, mal kommen wir gut voran, mal schaukeln wir durch ausgewaschene Fahrspuren. Zwischendurch halten wir auch an, denn ein paar Motive finde ich immer. Im goldenen Licht steht ein abgestorbener Baum, in den Ästen hängen zahlreiche Nester der Webervögel. An einer anderen Stelle treffen wir auf eine Zebraherde, die Mähnen der Tiere werden von der tief stehenden Sonne angeleuchtet, es sieht aus als würden sie glühen. Einige Giraffen stehen am Wegesrand und betrachten uns von oben herab mit einem scheinbar fürchterlich gelangweilten Gesichtsausdruck. Ein Glanzstar sitzt auf einem Zweig und sein metallisch-blaues Gefieder leuchtet zu uns herüber, während am Himmel ein golden angestrahlter Raubvogel seine Kreise zieht.
Natürlich unterhalten wir uns auch mit Alfred. Er ist ein sehr sympathischer und - wie die meisten Afrikaner die wir kennen gelernt haben– humorvoller Mensch, so haben wir viel Spaß miteinander. Es wird langsam dämmerig, dunkle Wolken zeigen sich am Himmel, aber immer wieder blitzen die goldenen Strahlen der untergehenden Sonne durch. Die Landschaft um uns herum ist in ein stimmungsvolles Licht getaucht. Obwohl wir jetzt knapp 24 Stunden unterwegs sind, können wir diese zauberhafte Abendstimmung und das wunderbare Licht in uns aufnehmen. Wir haben einen harten Tag hinter uns, aber Afrika hat uns schon wieder mit Haut und Haaren aufgesogen!

Plötzlich ist die Sonne verschwunden und die Wolken haben Mond und Sterne verschluckt. Vor uns gabelt sich die Piste und verliert sich im hohen Gras, aber Alfred fährt ohne zu zögern weiter. Als meine Frau Ruth in fragt, ob er wirklich weiß, wo er sich befindet, dreht er sich um, lächelt uns beruhigend an und sagt: „Nur noch eine Viertelstunde“. Wir sind etwas skeptisch, denn eine afrikanische Viertelstunde kann richtig lang werden, aber ein paar Minuten später greift er zum Funkgerät und spricht mit jemandem. Dann fragt er uns: „Wollt ihr vor oder nach dem Abendessen duschen?“ Das klingt wie Musik in unseren Ohren. Wir antworten fast im Chor: „Erst duschen, dann essen!“ Er grinst und gibt unsere Antwort weiter. Wir fahren in der Grassavanne auf einen kleinen Akazienwald zu, plötzlich sehen wir Lichter am Rand des Wäldchens. Es scheint so, als hätten wir es gleich geschafft. Tatsächlich stoppen wir kurz darauf beim Camp und werden bereits von zwei Mitarbeitern mit einem Getränk erwartet. Wir springen aus dem Jeep und sind heilfroh, dass wir uns bewegen können. Kaum haben wir ausgetrunken, nimmt man unser Gepäck und wir werden zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte geführt. Während das Hauptzelt mit Petroleumlampen beleuchtet ist, umgibt uns auf dem Trampelpfad zu unserer Unterkunft völlige Dunkelheit. Deshalb bleiben wir nah bei unseren Begleitern mit der Taschenlampe, denn immerhin befinden wir uns mitten in der Wildnis und man kann nie wissen auf wen man trifft.
Dann erreichen wir unser Zelt. Alles wurde bereits für unsere Ankunft vorbereitet. Wir betreten einen etwa 30 qm großen Raum, der mit einem Holzboden ausgestattet ist. Darin befindet sich ein großes Doppelbett mit Nachttischen auf beiden Seiten. Darauf stehen  interessant geformte große Lampen, die mit Batterie betrieben werden, und tauchen alles in ein romantisches Licht. Auf dem Bett liegen Handtücher, die zu kunstvollen Formen drapiert wurden. Davor sehen wir einen alten Überseekoffer, wie er wohl zur Zeit der europäischen Entdecker benutzt wurde. Auf der anderen Seite des Zeltes steht ein aus Holz gefertigter Schreibtisch mit zwei Sesseln, daneben gibt es ein Regal aus Leinenstoff, hier liegen große Badetücher und weiße Bademäntel bereit. Wir sind absolut zufrieden mit dem, was wir hier vorfinden, verabreden mit unseren Begleitern, dass wir in einer halben Stunde wieder abgeholt werden, und dann sind wir allein in unserem Zelt.
Schnell packen wir ein paar Sachen aus und gehen erst einmal duschen. Wir öffnen die Rückwand des Zeltes und stehen in einem „Open-air Badezimmer“. Rundherum sind etwa zwei Meter hohe Äste als Sichtschutz in den Boden gerammt, über uns sehen wir die ausladenden Äste eines Mopanebaums. Auf der rechten Seite befindet sich die Toilette (natürlich mit Wasserspülung), daneben ein aus Metall gefertigtes Waschbecken, darüber ein Spiegel. Auf der linken Seite hat man eine Art Regentonne aufgehängt. Am Boden der Tonne befindet sich ein Brausekopf, also muss das unsere Dusche sein. Wir ziehen uns aus, das Wasser ist zwar angenehm warm, aber die Luft ist schon merklich abgekühlt und ab und zu trifft uns ein kalter Windhauch, deshalb sind wir in minutenschnelle fertig und kuscheln uns in die Bademäntel. Zurück im Zelt ziehen wir uns an und packen noch ein paar Sachen aus. Dann werden wir auch schon zum Abendessen abgeholt. Wir treffen auf eine vierköpfige Familie, die mit uns am Tisch sitzt. Sie stammen aus Zimbabwe und machen eine Rundreise durch das eigene Land. Dazu gesellen sich noch unsere Fahrer und ein Tracker (Spurenleser); so verbringen insgesamt neun Personen einen netten Abend mit gutem Essen und interessanten Gesprächen. Nach dem Abendessen setzen wir uns alle noch an die Feuerstelle, die nur ein paar Meter vom Pool entfernt ist. Nach gut zehn Minuten höre ich hinter meinem Rücken ein lautes Gluckern, wir drehen uns herum und da steht ein großer Elefantenbulle am Pool und stillt seinen Durst. Lautlos hat er sich „angeschlichen“ und zeigt sich nicht im Mindesten beunruhigt, als wir uns alle umdrehen um ihn zu bestaunen. Nach ein paar Minuten hat er genug getrunken und verschwindet geräuschlos in der Dunkelheit. Toll, es ist tatsächlich so, wie ich es bei Beks Präsentation gesehen hatte; wir sitzen hier direkt neben einer Elefantentränke und den Elis scheint unsere Anwesenheit absolut egal zu sein! Ich verzichte jedoch auf ein Foto, denn ich will den grauen Riesen nicht durch ein Blitzlicht irritieren. Man weiß ja nie wie er dann reagieren würde. Nach diesem Erlebnis überkommt uns die Müdigkeit und Alfred bringt uns zurück zum Zelt. Innerhalb von Minuten schlafen wir fest ein.

Mitten in der Nacht werden wir durch ein lautes Geräusch geweckt. Es ist nicht zu überhören, dass ein Elefant direkt neben unserem Zelt steht und Äste von einem Baum reißt um sie zu fressen. Ich schätze den Abstand zur Zeltwand auf maximal drei Meter, denn wir können auch die Kaugeräusche deutlich hören. Allerdings scheint er Verdauungsprobleme zu haben, in seinem Bauch rumort es laut und wenig später werden wir mit einer intensiven Duftwolke beglückt. Ich verzichte darauf unsere Zelttür zu öffnen um den Dickhäuter zu bitten, sich ein Stück zu entfernen. Lieber stecken wir den Kopf tief ins Kissen und benutzen das Laken als Geruchsfilter. Der ganze Auftritt dauert ungefähr eine halbe Stunde, dann können wir ungestört weiter schlafen. Wir beklagen uns nicht, schließlich haben wir die unmittelbare Nähe zur Natur gesucht und durften sie jetzt auch mit Ohren und Nase aufnehmen.

Am nächsten Morgen um kurz vor 06:00 Uhr wache ich auf und kann die ersten Vögel singen hören. Ich ziehe mich an, nehme den Fotoapparat und schleiche mich aus dem Zelt. Die Sonne ist noch nicht zu sehen, aber der Horizont erglüht bereits in einem faszinierenden gelb-orangen Licht, davor zeichnen sich Bäume und Zelte als schwarze Scherenschnitte ab; einige Wolken hängen am Himmel, manche schwarz, manche violett. Wie immer bietet die Natur ein perfektes Farbenspiel, das ich mir gern einige Minuten betrachte. Ich muss nur drei Schritte laufen und stoße auf frischen Elefantendung. Aha, hier stand der nächtliche Besucher. Meine Schätzung war richtig, noch nicht mal drei Meter sind es vom Zelt bis zu seiner Hinterlassenschaft. Ich streife noch einige Zeit durch den Busch, entferne mich aber nicht zu weit, im Morgengrauen sind vielleicht die Raubkatzen noch aktiv und denen möchte ich nicht unbedingt zu Fuß begegnen. Ich zähle sechs Zelte, also können maximal zwölf Gäste hier untergebracht werden. Alle Zelte sind am Rand des Wäldchens aufgebaut, so hat man überall einen schönen Blick auf die Savanne. In der Mitte stehen das Haupt- und das Küchenzelt, hier parken auch die Safarifahrzeuge. An der Rückseite der Gästezelte sind Solarzellen angebracht, die werden wohl für die Beleuchtung im Zelt gebraucht. Wenn man sich umschaut, braucht man nicht viel Fantasie um sich als echter Abenteurer zu fühlen, der irgendwo im afrikanischen Busch sein Lager aufgeschlagen hat. Und trotzdem muss man nicht auf Annehmlichkeiten, wie eine warme Dusche oder eine richtige Toilette mit Wasserspülung, verzichten.
Als ich zum Zelt zurückkehre, ist meine Frau bereits wach. Wir waschen uns und laufen dann gemächlich zum Hauptzelt. Hier herrscht schon Betriebsamkeit, denn das Frühstück wird vorbereitet. In der Nähe des Küchenzeltes sitzen einige Gelbschnabeltokos, von den Einheimischen „Fliegende Banane“ genannt, und warten auf ihren Anteil. Den gibt es bald in Form von einer Art Zwieback. Während wir uns Cornflakes bzw. Müsli und Kaffee genehmigen, hüpfen die Vögel ohne große Scheu um uns herum und versuchen sich gegenseitig die größten Stücke abzujagen.

Dann geht es endlich hinaus in die Wildnis. Leider ziehen immer mehr Wolken auf und ich habe kein gutes Licht um zu Fotografieren, aber natürlich besteht eine Pirsch nicht nur aus Fotos, sondern hauptsächlich aus Tierbeobachtungen, und die kann man auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen machen. Hoch oben in einer Akazie sehen wir einen Sekretär. Dieser langbeinige Vogel wird bis zu 1,5 Meter groß und bewegt sich normalerweise auf der Erde. Seine Mahlzeit besteht überwiegend aus Eidechsen oder Schlangen, wobei er kleine Säugetiere oder andere Vögel auch nicht verschmäht. Sein Nest baut er allerdings in Bäumen; es ist gerade Paarungszeit und tatsächlich entdecken wir kurz darauf einen zweiten Vogel.
Wir halten in der Nähe eines abgestorbenen Baums. Darauf sitzt eine Gruppe Paviane. Während sich das größte Männchen auf dem obersten Ast befindet, wird es von anderen kleineren Artgenossen langsam eingekreist und belagert. Die Tiere scheinen sehr erregt zu sein, aber es ist kein Feind in der Nähe. Alfred glaubt, das große Männchen sei vielleicht kein Mitglied der Gruppe. Es wird jetzt umzingelt und die anderen versuchen es zu verjagen. Wir beobachten die Szene noch einen Moment, der Belagerungsring um den Affenmann wird immer dichter. Plötzlich verliert er die Nerven und jagt den Stamm hinunter, die restliche Horde mit wildem Geschnatter hinterher. Ein Stück weiter kommen wir an eine Salzpfanne, in deren Mitte sich Wasser gesammelt hat. Überall sieht man Spuren der verschiedensten Tiere, sie kommen an diesen Platz um Mineralien aufzunehmen. Am Rand liegen große Knochen und die Reste eines Elefantenschädels; einer der grauen Riesen hat demnach genau hier sein Leben beendet.
Um uns herum hören wir schnaubende Impala Antilopen. Aufmerksam suchen wir die Gegend ab, aber es ist kein Warnruf, sondern sie sind in der Brunft und verjagen Konkurrenten von ihrem Territorium. Da beide Rufe sehr ähnlich klingen, fällt uns die Unterscheidung schwer und wir verlassen uns auf Alfreds Erfahrung. Einer der Böcke hat geschätzte dreißig Mädels um sich versammelt, die muss er jetzt zusammen halten und immer wieder gegen zahlreiche umherstreifende Konkurrenten verteidigen. Ein harter Job, und sobald ihm die Kräfte ausgehen ist er seinen Harem los.
Alfred folgt dem Verlauf der Sandpiste, plötzlich stoppt er unvermittelt. Wir schauen uns um, können aber kein Tier entdecken. „Was ist los?“, frage ich ihn. Er lacht und deutet auf die Piste vor uns. „Ich habe gerade etwas Ungewöhnliches entdeckt und will ein Foto machen.“ Ich schaue genauer hin und kann eine kleine Schlange entdecken, die zusammen gerollt vor dem Jeep liegt. Ich schnappe mir meine Kamera und springe ebenfalls aus dem Wagen. „Das ist ein Puffotter-Baby“, erklärt Alfred, geht in die Knie und nähert sich dem Reptil auf allen Vieren. Ich tue es ihm gleich.
Puffottern leben – bis auf den Regenwald und die Sahara - fast überall auf dem afrikanischen Kontinent, ausgewachsen können sie eine Länge bis zu 1,80 Metern erreichen. Sie sind für die meisten Schlangenbisse in Afrika verantwortlich. Das Gift einer erwachsenen Puffotter reicht aus um vier bis fünf Menschen zu töten.
Die kleine Schlange hebt den Kopf, züngelt in unsere Richtung und zischt hörbar. Ich rücke noch ein Stück näher heran um ein schönes Portraitfoto zu machen. Die Puffotter ist zwar giftig, aber dieses Baby ist ja noch so klein… „Pass bloß auf“, warnt mich Alfred. „Die Schlange ist zwar noch jung, aber sie ist trotzdem schon ganz schön giftig und wenn du sie zu sehr in die Enge treibst, wird sie dich angreifen und dir in die Nase beißen!“. Ich schaue ihn kurz an und merke, das war kein Scherz, er meint das völlig ernst. Also mache ich noch zwei Bilder und ziehe mich etwas zurück. Die Schlange zischt noch einmal bedrohlich, dann wendet sie sich um und verschwindet blitzartig im Gras.
Wir steigen ein, Alfred lauscht kurz, dann verlassen wir die Piste und fahren ins Grasland. Was auch immer ihm aufgefallen ist, ich höre nur die Vögel zwitschern. Dann kommen wir an den Rand einer Senke. Etwas weiter vorne befindet sich ein Wasserloch. Am Rand stehen zwei Elefantenbullen und trinken, die beiden hat Alfred also schon von Weitem gehört. Langsam fahren wir auf sie zu, sie fühlen sich augenscheinlich von uns gestört. Sie schütteln ihre Köpfe und prusten, dann drehen sie uns das Hinterteil zu und marschieren in den dichten Busch.

Plötzlich klatschen große Wassertropfen auf das Blech unseres Fahrzeugs, der Himmel öffnet seine Schleusen. Es rauscht gewaltig und wir können nur noch ein paar Meter weit sehen. Sofort holen wir die Regenumhänge heraus um uns vor den Wassermassen zu schützen, denn unser Jeep ist ja an den Seiten offen und der Wind drückt das Wasser ins Fahrzeug. Außerdem ist es plötzlich empfindlich kühl geworden. Alfred fährt langsam weiter. Wir machen uns so klein wie möglich aber trocken bleiben wir trotzdem nicht. Ich bin heilfroh, dass ich meine Kamera in einer Plastiktüte verstauen kann. Zwanzig Minuten später haben wir unser Camp erreicht. Die Familie im zweiten Wagen ist schon längst zurück, denn deren Fahrzeug hat noch nicht einmal ein Dach und eine Fahrt bei diesem Regen wäre noch um einiges ungemütlicher gewesen als es bei uns war.
Wir versammeln uns im Hauptzelt, bekommen ein zweites, reichhaltiges Frühstück und vertreiben uns die Zeit mit Lesen und Gesprächen. Eine halbe Stunde später hört der Regen auf, die dichten Wolken am Himmel scheinen aufzulockern. Inzwischen belagern uns wieder Gelbschnabeltokos, die ganz begeistert von den kleinen Brotstücken sind, die wir ihnen hinwerfen. Das gibt mir die Möglichkeit ein paar Portraitfotos von den Vögeln zu machen.
Kurze Zeit später sehen wir auch schon die ersten blauen Stellen am Himmel und hier und da reflektiert das nasse Grass ein paar Sonnenstrahlen. Etwa zehn Minuten später wird es merklich wärmer. Um uns herum verdampft das Wasser und bildet kleine Nebelwolken, die sich aber rasch auflösen.
Wir gehen zum Zelt, ziehen uns etwas luftiger an und besuchen den Pool. Dort sind die Liegen bereits vorbereitet und auch der Sonnenschirm wird gerade aufgespannt. Ein Bad im Pool zu nehmen ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Wie bereits angemerkt dient er eigentlich als Elefantentränke, dementsprechend sieht das Wasser auch aus. Aber ich bin sowieso nicht an einem Bad im Pool interessiert, ich fände es viel besser, wenn jetzt ein paar Elis kommen würden, aber den Gefallen tun sie mir leider nicht.
Während Ruth sich auf einer Liege ausstreckt, erkunde ich die Gegend um den Pool. Man hat einen kleinen Begrenzungswall aus Steinen aufgeschichtet und darauf einen Baumstamm gelegt. Das soll verhindern, dass Elefantenbabies in den Pool fallen, denn an eine Rettung der Kleinen im Beisein einer wütenden, verzweifelten Elefantenkuh oder gar einer ganzen Herde wäre absolut nicht zu denken. Vor dem Wall liegen viele Haufen aus Elefantendung, auf denen tummeln sich weiße, gelbe und orangefarbene Schmetterlinge. Die Luft ist erfüllt vom Surren zahlreicher metallisch schimmernder Fliegen.
Inzwischen ist es Nachmittag geworden, wir gehen zum Hauptzelt, dort gibt es Kaffee bzw. Tee und leckeren Kuchen. Es ist Zeit für den Gamedrive am Abend, deshalb ziehen wir uns um und raus geht es in den Busch. Wir müssen nicht weit fahren, da entdecken wir einen Trupp Zwergmangusten. Zwei der possierlichen Tierchen haben sich aus ihrem Bau gewagt, sitzen auf einem umgefallenen Baumstamm und schauen immer wieder angestrengt in unsere Richtung. Anscheinend wissen sie nicht, was sie von uns halten sollen. Alfred hat schon längst den Motor ausgemacht und nach zwei Minuten Stille kommt die ganze Familie einschließlich zweier Babies ans Tageslicht. Die Tiere sind sehr vorsichtig. Immer wieder unterbrechen sie die Fellpflege um uns zu beobachten, vermutlich hören sie unser Flüstern und das Geräusch des Auslösers, wenn ich Bilder mache. Irgendwann verschwinden dann doch alle wieder in ihrer Höhle. Auf der sandigen Erde bewegen sich zahlreiche Tausendfüßler vorwärts. Sie sind schwarz, mit dunkelbraunen Ringen um den Körper und ich schätze ihre Länge auf ungefähr 20 cm.
Ein Witwenvogel sitzt im Busch, er hat schwarze Federn mit weißem Muster; seine Schwanzfedern sind ungefähr doppelt so lang wie der Vogelkörper. Später erreichen wir eine Wiese, die von dunkelgrünen Buschen umsäumt wird. Drei Elefantenbullen mit mächtigen, schön geschwungenen Stoßzähnen haben sich versammelt. Ihre rotbraune Farbe zeugt davon, dass sie erst vor kurzem ein Staubbad genommen haben. Einer der Jumbos setzt sich in Bewegung und kommt gemächlichen Schrittes auf uns zu. Kurz bevor er den Jeep erreicht, bleibt er stehen, schaut uns mit durchdringendem Blick an und wedelt mit den Ohren, vermutlich um noch eindrucksvoller zu wirken. Er wirkt nicht verärgert, aber es scheint als wolle er uns herausfordern. Als wir nicht reagieren, schnaubt er kurz und geht ganz dicht an unserem Auto vorbei. Dann trifft er auf den dritten Eli, stellt sich direkt hinter ihn, senkt seinen massigen Kopf und schiebt seinen „Kumpel“ vorwärts. Der hat aber keine Lust auf Auseinandersetzungen und verlässt die Stelle, an der er eben noch genüsslich die Blätter von einem Busch gerupft hat. Na da können wir ja froh sein, dass nicht wir dort gestanden haben und jetzt weg geschoben werden.
Es dämmert bereits und die Wolken haben sich prachtvoll verfärbt. Von Gelb über Orange bis Blutrot sind sämtliche Farben am Himmel zu sehen. Unser letzter Sonnenuntergang in Zimbabwe hat es noch mal richtig in sich! Ich kann nur wenige Fotos machen, weil ich immer wieder das Farbenspiel beobachte. Alfred fährt ein Stück weiter und wir stoppen am Ufer eines größeren Teichs und steigen aus. Schnell hat er – wie wir es schon so oft erlebt haben – einen Tisch aufgebaut, kleine Häppchen und Wein aus der Kühlbox gezaubert, und wir genießen unseren Sundowner unter einem knallroten Himmel, der sich zusätzlich im Wasser spiegelt. In solchen Momenten kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es irgendwo anders auf dieser Welt schöner sein könnte. Afrika hat mich wieder mal „aufgefressen“.

Dann ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden und es wird Zeit, zum Camp zu fahren. Wir packen alles zusammen, ziehen unsere Jacken an, fahren los und eine halbe Stunde später sind wir auch schon wieder zurück. Nach einem schmackhaften Abendessen setzen wir uns an die Feuerstelle neben dem Pool und bekommen auch tatsächlich noch einmal Besuch; ein Jumbo steht prustend und gluckernd am Pool und trinkt, was das Zeug hält, bevor er wieder genauso lautlos verschwindet, wie er gekommen ist.

Nach einer ruhigen Nacht wachen wir mit dem ersten Morgenlicht auf und packen unsere Sachen. Nach dem Frühstück ist es an der Zeit, sich vom netten Personal zu verabschieden und wieder Richtung Main Gate (Haupttor) des Parks zu fahren. Unser Aufenthalt war sehr kurz und ich nehme das Camp gerne in die Liste der Plätze auf, die ich noch einmal besuchen würde. Wir besteigen den Jeep, der Himmel ist frei von Wolken und die Sonne wärmt uns bereits auf. Es wird wohl eine angenehme Fahrt werden.
Am Rand einer Wasserstelle entdecken wir ein einzelnes grasendes Hippo. Als es uns bemerkt geht es augenblicklich ins Wasser zurück. Es ist immer wieder überraschend, an welchen Stellen wir auf diese Tiere treffen. In nächster Nähe gibt es keinen Fluss und keinen See und trotzdem hat dieses Hippo seinen Weg hierher gefunden und die Wasserstelle zu seinem Revier gemacht. Bei fortgeschrittener Trockenzeit wird es aber gezwungen sein den Platz zu verlassen, denn diese Stelle wird mit Sicherheit austrocknen. Wir wissen allerdings, dass ein Flusspferd durchaus in der Lage ist Distanzen von circa 30 km in einer Nacht zu überbrücken. Wir fahren weiter und hören plötzlich ungewöhnliche Laute. Alfred deutet in einen Baum und wir können ein Paar Goldbugpapageien erspähen. Die hübschen grau-grün-gelb gefärbten Vögel fliegen ganz dicht an den Rand der Piste; bevor wir allerdings nahe genug sind und ich mit meiner Kamera in guter „Schussposition“ bin, fliegen sie davon und landen auf dem nächsten Baum; ich habe das Nachsehen. Da sind Portraitfotos des Straußenhahns, der uns als nächstes über den Weg läuft, schon viel einfacher. Er hat einen knallroten Schnabel, ist also gerade in Balzstimmung. Wir rollen langsam weiter und schrecken einen Elefanten im Buschwerk auf. Er wendet sich kurz ab, dann dreht er sich wieder um, schaut uns an, schüttelt den Kopf und prustet laut. Nun beeilt er sich vor unserem Jeep die Piste zu überqueren. Genau in der Mitte des Weges wird er langsamer, wendet sich mit einer Drohgebärde gegen uns und schnaubt erneut, bevor er die Piste für uns freigibt. Ich muss lachen, denn noch eindeutiger konnte er uns nicht zeigen, wer hier der Chef in der Savanne ist. Wir fahren durch eine weite, mit weißen Termitenhügeln gespickte Savannenlandschaft, dann tauchen größere Akazienwälder auf; mal passieren wir kleine Hügel, mal ist die Fläche topfeben. Etwas später halten wir an. Nicht weit von uns steht ein prachtvoller Giraffenbulle und starrt unverwandt auf ein paar Büsche, eigentlich ein Zeichen, dass sich dort Raubtiere aufhalten. Alfred sucht die Buschreihe mit dem Fernglas ab, kann aber nichts entdecken. Die Giraffe setzt sich zögernd in Bewegung und beobachtet immer wieder die Büsche, aber kein Räuber zeigt sich. Wir haben leider keine Zeit das Geschehen weiter zu beobachten, denn wir sind ja am Main Gate verabredet. Wir passieren kleine Teiche, an deren Ufer sich ägyptische Gänse, Reiher und Kronenkraniche aufhalten, ab und zu liegt ein Krokodil regungslos im Gras und wartet auf unvorsichtige Vögel oder Antilopen.
Plötzlich hält Alfred an und ich kann kurz aussteigen. Am Wegrand bietet sich mir ein schönes Motiv. Ein Chamäleon bewegt sich langsam vorwärts. Es ist hellgrün, mit dunklen Mustern auf dem Rücken und an der Seite. Es hat mich natürlich schon längst entdeckt, flüchtet aber nicht, sondern läuft langsam weiter. Dabei hebt es das Vorderbein mit zuckenden Bewegungen in die Luft, bevor es wieder auf der Erde aufsetzt. Dann folgt das gleiche Spiel mit den Hinterbeinen. Es erinnert mich an einen Zweig, der sich im Wind bewegt, und ich denke genau das ist auch der Grund für diese interessante Art der Fortbewegung. Ich kann mich hinknien und eine Großaufnahme des Kopfes machen. Ich bedanke mich bei dem Tier und steige wieder in den Jeep. Das Chamäleon ist wahrscheinlich heilfroh, dass die ganze Prozedur vorüber ist und setzt seinen Weg fort.
Kurz vor dem Main Gate werden wir noch von einer Giraffenfamilie begrüßt. Völlig entspannt überqueren die Tiere vor uns die Straße und wir können noch einmal Väter, Mütter und Kinder beobachten, dann erreichen wir die Unterkünfte der Parkangestellten. Unser Minibus wartet schon, also verabschieden wir uns von Alfred, steigen um in den Bus und verlassen den Hwange Park.

Es hat uns hier sehr gut gefallen und wir können uns einen weiteren Besuch im Somalisa Camp sehr gut vorstellen, zumal zwei Nächte eindeutig zu kurz waren. Aber zunächst einmal geht es weiter nach Botswana, neuen Abenteuern entgegen.

Dieser Reisebericht ist geistiges Eigentum von Albatros Urlaub. Jede Veröffentlichung - auch auszugsweise - ist nur mit schriftlicher Genehmigung von Albatros Urlaub gestattet.

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Der Hwange NP aus der Luft

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Somalisa Buschcamp

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Immer genug Vitamine

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Am Pool / Elefantentränke

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Luxuszelt

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Ein bequemes Doppelbett

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Sonnenaufgang

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Mitesser

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Überall Elefanten

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Zebras im goldenen Licht

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Unterwegs im Hwange

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Affentreff

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Ein Schlangenkind muss aufs Bild

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Misstrauische Mangusten

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Ich habe Vorfahrt !

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Elegante Bewegungen

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Krokodile gibt es reichlich

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Chamäleon

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Sonnenuntergang 1

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Sonnenuntergang 2

 

 

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