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Schon aus einiger Entfernung ist der Waterberg, ein markanter Tafelberg aus leuchtend rotem Fels, zu erkennen. Er ist circa 48 km lang und 15 km breit und überragt seine Umgebung um fast 200 Meter. Die Gegend ist sehr geschichtsträchtig: Im August 1904 fand hier eine berühmte Schlacht statt, es war der entscheidende Kampf beim Aufstand der einheimischen Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika.
Am Waterberg verlassen wir die geteerte Hauptstraße B1 und erreichen die Waterberg Wilderness Region. Direkt neben dem Nationalpark liegen zwei hübsche Unterkünfte, die Waterberg Wilderness Lodge am Fuße des Berges und die Waterberg Plateau Lodge unterhalb des Bergplateaus. Beide stehen unter deutscher Leitung. Wir nehmen die schmale, kurvige Straße den Berg hinauf und erreichen unser Ziel, die Waterberg Plateau Lodge. Sie besteht aus acht Chalets, jedes hat einen atemberaubenden Ausblick auf die Ebene. Die Unterkünfte sind aus rotem Naturstein gebaut und haben rote Dächer, alles passt sich harmonisch in die Landschaft ein. Vor jedem Chalet befindet sich eine Terrasse mit einem kleinen Pool. Eigentlich ist der kreisrunde Pool mit einem Durchmesser von geschätzten zwei Metern eher eine große Vogeltränke, dafür ist er recht tief und man kann sich fast komplett hineinstellen. Das Chalet ist nett eingerichtet und hat eine große Glasfront, die es uns zu jeder Zeit ermöglicht, das tolle Panorama auch vom Bett aus zu genießen. Nachdem wir ausgepackt haben nimmt sich meine Frau sofort einen Liegestuhl, legt sich hinein, seufzt tief und genießt den herrlichen Blick auf die rötliche, mit grünen Büschen gesprenkelte Ebene, die erst am fernen Horizont von einem stahlblauen Himmel begrenzt wird. Kurze Zeit später, um 16:00 Uhr, ist die Zeit der Entspannung aber schon wieder vorbei, denn wir werden zu einem Gamedrive (Wildbeobachtung mit dem Jeep) abgeholt. Es geht hinunter in die Ebene, dort befindet sich ein Park, den wir jetzt erforschen wollen. Die Tiere hier haben keine menschlichen Feinde, deshalb kümmern sie sich auch nicht besonders um unsere Anwesenheit. Die Gegend ist zwar ziemlich dicht bewachsen, uns macht aber schon die Fahrt über die rötlichen, sandigen Pisten, die mitten durch den sattgrünen Busch führen, viel Spaß, auch wenn wir nicht sofort auf wilde Tiere treffen. Nach ein paar Minuten bekommen wir doch noch einiges zu sehen: Oryxantilopen, Giraffen, Warzenschweine, Warane, Schildkröten und zahlreiche Vogelarten. Als wir auf einen Trupp Strauße treffen, macht uns unser Fahrer auf den Hahn aufmerksam. Er hat einen feuerroten Schnabel, das deutet darauf hin, dass er in Balzstimmung ist. Um ihn ein wenig zu ärgern steigt unser Fahrer aus dem Auto, und sofort wird er vom Hahn als Konkurrenten wahrgenommen und angegriffen. Mit einem gekonnten Schwung zurück in den Jeep bringt sich unser Begleiter in Sicherheit. Der Hahn schaut unseren Wagen verständnislos an, denn er kann nicht begreifen wohin sein „Konkurrent“ plötzlich verschwunden ist und dreht wieder ab. Sofort steigt der Fahrer wieder aus und das Spiel beginnt von vorn. Wir müssen lachen, denn irgendwie schaut der Hahn ziemlich dumm aus der Wäsche. Ein Stück weiter stoßen wir auf zwei Breitmaul-Nashörner. Die beiden schauen interessiert zum Wagen, lassen sich aber nicht beim Grasen stören. Unser Fahrer erklärt uns, dass sie das Fahrzeug von klein auf kennen und es als eine Art Kamerad betrachten. Dann fordert er uns auf auszusteigen, wir sollen uns nur nicht zu schnell bewegen und immer in der Nähe des Jeeps bleiben. Er holt die Kühlbox aus dem Wagen und wir nehmen – nicht weit entfernt von den beiden Nashörnern – unseren Sundowner zu uns. Ruth und ich schauen uns an. So nahe dran an wilden Nashörnern waren wir erst einmal, damals mussten wir uns hinter Büschen verstecken, jetzt können wir ganz entspannt die beiden mächtigen Tiere beobachten und ich kann meine Fotos schießen - ein tolles Erlebnis für uns! Eine halbe Stunde später fahren wir weiter. Wieder einmal genießen wir die „goldene Stunde“, wenn die Strahlen der untergehenden Sonne alles in ein warmes, goldenes Licht taucht. Heute haben wir als Hintergrund auch noch den gewaltigen Tafelberg im Blick, der rote Fels wird von der Sonne angestrahlt und glüht noch einmal auf, bevor der Schatten der Dämmerung langsam den Berg hinauf kriecht. Vor diesem tollen Panorama ziehen in diesem Moment auch noch zwei Giraffen durch den Busch, das ist noch einmal ein wundervolles Bild zum Abschluss der Safari.
Wir verlassen den Park und erreichen zwanzig Minuten später unsere Lodge. Nachdem wir uns kurz erfrischt und umgezogen haben, geht es zum Essen. Außer uns sind noch zwei deutsche Gäste da. Vater und Tochter kommen kurz nach uns zum Essen, sie sind nett und wir haben eine angenehme Unterhaltung. Die Tochter ist in der Tourismusbranche beschäftigt, sie liebt Namibia heiß und innig, allerdings hat sie eine Schlangenphobie und geht in der Dunkelheit keinen Schritt vor die Tür. Auch jetzt sind sie die 100 Meter zum Essraum mit dem Wagen gefahren und haben direkt vor dem Eingang geparkt. Das Essen ist lecker, das Holzfeuer verbreitet eine angenehme Wärme und so geht der Abend bei einem guten Wein und angenehmen Gesprächspartnern sehr schnell vorbei.
Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht werden wir von der aufgehenden Sonne geweckt. Wir duschen, setzen uns auf die Terrasse und erfreuen uns an den ersten wärmenden Sonnenstrahlen in einer herrlich ruhigen Umgebung, während einige gefiederte Gäste unseren Pool aufsuchen um ein paar Schlucke Wasser zu sich zu nehmen. Dann wird es Zeit für das Frühstück. Das bekommen wir nicht hier oben in der Plateau Lodge serviert, sondern wir fahren mit unserem Wagen circa zehn Minuten hinunter zur Wilderness Lodge. Die liegt am Fuße des Waterbergs, eingebettet in sattgrüne Vegetation und rote Felsentürme. Große, alte Bäume spenden Schatten, man findet etliche Bananenstauden und Palmen. Die Lodge ist - genau wie die Plateau Lodge – aus Naturstein gebaut und liebevoll eingerichtet; besonders die lauschige Gartenterrasse hat es uns angetan. Hier ist ein schöner Platz um sich zu erholen. Der große gepflegte Garten und auch der Pool laden zum Verweilen ein. Wir können uns gut vorstellen, diese Lodge irgendwann noch einmal zu besuchen. Nach dem Frühstück werden wir von Andreas abgeholt. Er wird uns heute Vormittag begleiten, denn wir möchten auf das Plateau des Waterbergs steigen. Das sollte man unbedingt mit einem einheimischen Begleiter machen, denn es ist wichtig, die Kletterwege zu kennen, und außerdem gibt es auf dem Plateau auch gefährliche Tiere, wie z.B. Nashörner. Der Weg auf den Berg ist nicht besonders anspruchsvoll, aber wir sind froh, dass wir relativ früh unterwegs sind, denn es wird von Minute zu Minute heißer. Plötzlich hören wir ein Knacken im Gebüsch. Andreas bleibt sofort stehen und wir folgen seinem Beispiel. Einen Moment ist es ruhig, dann flüchtet das Tier. Unser Begleiter findet etwas Dung und kann den „Flüchtling“ als Oryxantilope identifizieren. Wir erreichen das „Dach“ des Berges. Überall, wo wir hinschauen, sehen wir wucherndes Grün, unterbrochen von roten Felsen; ein schönes Bild. Die interessanten Formen des Gesteins veranlassen mich immer wieder ein paar Fotos zu machen. Langsam arbeiten wir uns zur Abbruchkante vor und werden mit einem imposanten Blick auf die flache Ebene belohnt. Vom sonst so trockenen Namibia ist hier überhaupt nichts zu bemerken, vor uns erstreckt sich eine riesige grüne Fläche, die bis zum Horizont reicht. Wir setzen uns an den Rand der Kante und lassen den Ausblick auf uns wirken. Dann erscheint ein zweites Paar mit Führer. Wir kommen ins Gespräch, es handelt sich um zwei Schweizer, die in Namibia auf Hochzeitreise sind. Im Gegensatz zu uns haben sie sich für die naturnahe Version entschieden und reisen per Jeep und Dachzelt. Neben „unserer“ Plateau Lodge befindet sich eine Campingfläche, dort haben sie übernachtet. Sie wollen - genau wie wir – Richtung Norden zum Etosha- Nationalpark, wir wünschen uns gegenseitig eine gute Reise, dann wird es Zeit für uns, wieder hinunter ins Tal zu steigen. Auch der Abstieg bietet uns tolle Ausblicke und wir sind hoch zufrieden, dass wir uns für diese Wanderung entschieden haben. Als wir die Wilderness Lodge erreichen, ist es Mittag. Ich mache noch einen Rundgang um meiner „Auftraggeberin“ Petra genug Fotomaterial zu liefern, dann setzen wir uns auf die Gartenterrasse und bekommen ein leckeres Mittagsmahl serviert. Andreas setzt sich zu uns und wir plaudern noch über die deutsche Kolonialzeit und das moderne Leben in Namibia. Er erzählt uns, dass seine beiden Kinder deutsche Vornamen haben, wir sind immer wieder verblüfft wie viel namibische Eltern das auch heute noch tun, obwohl der deutsche Auftritt in „Deutsch-Südwest“ eher durch Brutalität gegenüber der einheimischen Bevölkerung gekennzeichnet war. Nicht nur weiße, auch schwarze Namibier scheinen dieser Zeit durchaus positive Seiten abzugewinnen, deshalb – das ist zumindest unsere Erfahrung – sind die Deutschen in diesem Land gerne gesehen und man findet nichts dabei den eigenen Kindern neben namibischen Vornamen auch deutsche Vornamen zu geben.
Nach dieser interessanten Unterhaltung steigen wir in unser Auto und fahren wieder zur Plateau Lodge hinauf. Wir haben den ganzen Nachmittag nichts anderes vor als hier zu entspannen und die Vogelwelt rund um unser Chalet zu beobachten; für uns ist das ein extrem seltenes Vergnügen, das wir sehr genießen. Nach einem schönen Sonnenuntergang mit wundervollem Farbenspiel freuen wir uns auf ein gutes Dinner. Das Personal ist aufmerksam und freundlich, das Essen und der Wein schmecken gut, wir sind also absolut zufrieden gestellt. Wir wachen wieder bei Sonnenaufgang auf, duschen, packen unsere Seesäcke und bringen sie zu unserem Wagen. Dann geht es noch einmal den schmalen gewundenen Weg hinunter zur Wilderness Lodge; hier bekommen wir von der freundlichen Managerin ein Frühstück serviert.
Danach verlassen wir endgültig die Lodge und fahren auf der Sandpiste Richtung B1, der geteerten Hauptverbindung, die Windhoek und den Norden Namibias verbindet. Das Wetter zeigt sich wieder von seiner besten Seite und der Waterberg leuchtet zum Abschied in schönstem Rot. Ruth und ich sind uns einig, dass wir diese eineinhalb Tage am Waterberg nicht missen wollten. Aber wie das bei Rundreisen so ist, am nächsten Morgen werden wir diesen Ort wieder verlassen, und ich freue mich auch schon auf die wilden Tiere im Etosha- Nationalpark.
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 Anfahrt zum Waterberg
 Blick auf die Plateau Lodge
 Aussicht vom Pool

Farbenspiel am Abend

Fotosession mit Rhinos

Ich bin ganz lieb !

Waterberg: die "grüne Hölle"

Blick vom Waterberg Plateau

Tolle Aussicht auch beim Abstieg
 Abendstimmung am Waterberg
>> mehr Informationen zu Namibia
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