Reisebericht Namibia - Sossusvlei

2010-08-15 09:05 von Walter Sabaschkow

Sossusvlei - der Platz der imposanten Dünen

Eines der Wahrzeichen Namibias sind die roten Sanddünen der Namib. Da ich an meinem Geburtstag unbedingt einmal in die Wüste wollte, haben wir Windhoek verlassen und fahren in südlicher Richtung nach Sossusvlei. „Sossus“ heißt in der Sprache der Nama „blinder Fluss“ und „Vlei“ steht für „Pfanne“.
Es beschreibt eine salzige Fläche, die von Dünen eingerahmt ist und in der sich nach extrem starken Regenfällen (was sehr selten vorkommt) Wasser sammelt. Dann kann sich ein flacher See bilden, der aber schnell wieder in der Sonnenhitze verdunstet. Vor langer Zeit gab es hier einen Fluss, der zum nur circa 50 Kilometer entfernten Atlantik floss, aber inzwischen versandet ist (ein blinder Fluss). An dieser Stelle findet man mit einer Höhe von über 300 Metern die höchsten Dünen der Welt.


Die Straße Richtung Süden hat Querrillen und besteht aus Schotter. Das erfordert kontinuierliche Konzentration, denn man muss verschiedene Dinge beachten. Man darf nicht zu langsam fahren, sonst wird man durch die Querrillen zu sehr durchgerüttelt, man darf aber auch nicht zu schnell fahren, sonst verliert man auf der Schotterpiste schnell die Kontrolle und kommt vom Weg ab. Zu schnelles Fahren ist ohnehin nicht ratsam, denn die Straßenränder sind nicht befestigt, sondern gehen oft in einen Graben über, der das Regenwasser ableiten soll. In dieser Gegend Namibias regnet es eher selten, aber wenn es regnet, dann regnet es richtig.  Wenn man überholt wird, sollte man etwas abbremsen, sonst kann es passieren, dass vom vorausfahrenden Fahrzeug Kieselsteine auf die Windschutzscheibe geschleudert werden und diese ist - wie auch die Reifen - von der Versicherung ausgeschlossen. Die Autovermietung wird schon wissen warum! Wenn man selbst ein Fahrzeug überholt, sollte man noch eine Weile auf der rechten Spur bleiben (im südlichen Afrika herrscht Linksverkehr), damit man den Überholten nicht gleich in eine große Staubwolke einhüllt und mit Kieseln bewirft. Allerdings muss man diese Regeln nicht besonders oft anwenden, denn der Verkehr ist hier eher gering. Auf unserer Fahrt haben wir im Schnitt alle 30 Minuten ein Auto getroffen. Trotzdem sollte man immer vorsichtig sein. Einmal bin ich zu übermütig – sprich zu schnell - gefahren und als wir ein ausgetrocknetes Flussbett durchquerten, hat unser Wagen prompt auf einer Bodenwelle aufgesetzt. Ich habe sofort angehalten und den Fahrzeugboden inspiziert, doch glücklicherweise war nichts beschädigt oder aufgerissen.

Die Straßen in dieser Region durchschneiden meistens kerzengerade das Land, irgendwo gibt es dann manchmal einen scharfen Knick und weiter geht es bergauf, bergab. Vereinzelt sieht man eine Zufahrt zu einer einsamen Ranch im Nirgendwo, sonst gibt es rundherum nur trockenes, mit Büschen bewachsenes Land. Trotzdem sind die Straßen immer eingezäunt, doch Tiere sind nirgends zu sehen. Das hängt wohl mit der Anzahl der Tiere pro Quadratkilometer zusammen. Da hier wenig wächst, kann man nur relativ wenig Vieh auf einem riesigen Gebiet halten. In dieser Gegend Farmer zu sein ist mit Sicherheit ein schwieriger Job.
Bald darauf erreichen wir eine kurvige Straße, es geht noch etwas aufwärts, dann erreichen wir den Pass. Wir halten kurz an, genießen die Landschaft und fahren weiter den Berg hinab. Während dieser circa neunzigminütigen Fahrt sehen wir ein einziges Auto. Wenn man hier eine Panne hat, dann braucht man Geduld, denn Mobilfunk ist in dieser abgelegenen Gegend ein Fremdwort. Wir erreichen eine weite Ebene, die Landschaft verändert sich, wird sandiger und die ersten Dünen tauchen auf. Das Gebiet scheint menschenleer und ohne Leben zu sein, aber trotzdem sind immer noch Zäune am Straßenrand – irgendwie merkwürdig, das Ganze. Wer baut hier bloß Zäune in den Sand?


Nach ungefähr drei Stunden Fahrt erreichen wir Solitaire, eine kleine aber sehr wichtige Siedlung in der Wüste, denn hier gibt es Benzin und Verpflegung. Auch ich tanke hier, während Ruth noch ein paar Lebensmittel im „Tante Emma“ Laden einkauft. Nach einer kurzen Rast geht es weiter. Es ist schon toll. In der Ebene führt die Piste in sanften Kurven auf einen Berg zu, aber macht dann im letzten Moment einen Knick und läuft doch wieder in eine andere Richtung. Es ist gar nicht einfach, die jeweilige Himmelsrichtung abzuschätzen. Nachdem wir einen Plattfuß gemeistert haben, treffen wir am Nachmittag nach ungefähr 400 km Fahrt in der Sossusvlei Lodge ein. Diese Lodge ist relativ groß und in den verschiedenen Ocker- und Rottönen der Umgebung gehalten. Besonders interessant ist die Bauweise: die Gästehäuser haben ein gemauertes Fundament, Wände und Decke bestehen aus Zeltplanen, nur der Raum für die Dusche und Toilette ist auch aus Stein. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen, wir haben fließendes Wasser und Elektrizität. Glücklicherweise erhalten wir ein Chalet am Rand der Anlage. Wenn wir unsere Terrasse verlassen, laufen wir durch den Wüstensand. Der Ausblick ist phänomenal, besonders bei Sonnenuntergang. Es ist einfach unglaublich, wie viele verschiedene Farbtöne die Wüste präsentiert. Diese Töne ändern sich laufend, je nach Sonnenstand.
Am späten Nachmittag schnappe ich meine Kamera und wir laufen hinaus in die Wüste. Überall sehen wir Tierspuren im Sand. Wenn wir wollten, könnten wir jetzt ein paar Kilometer immer geradeaus laufen, bis wir auf die einzelnen Berge treffen würden, die in der Abendsonne violett aufleuchten. Rundherum gibt es keine Begrenzung, außer der Lodge gibt es keine weiteren Häuser, es ist einfach ein tolles Gefühl! Abends am Buffet haben wir Gelegenheit, exotische Fleischhäppchen zu probieren, zum Beispiel verschiedene Antilopenarten oder auch Zebra und Strauss. Alles schmeckt – um es in der Sprache Afrikaans auszudrücken – lekker. Als wir nach dem Essen zu unserer Unterkunft zurückgehen, kreuzt ein Schakal unseren Weg. Das erinnert uns daran, dass es hier keine Zäune gibt, also halten wir unsere Terrassentür während der Nacht besser geschlossen, man weiß ja nie, welcher tierische Besucher vielleicht mal hereinschauen möchte...

 
Wir hatten für den nächsten Tag einen Ausflug in das Sossusvlei Naturschutzgebiet geplant, allerdings teilte man uns bei unserer Ankunft mit, dass die Buchung nicht vorliegen würde. Wir waren sehr enttäuscht, aber man versprach uns, den Ausflug trotzdem in irgendeiner Weise zu organisieren. Am frühen Morgen gegen 05:30 stehen wir auf, und bereiten uns vor, denn um 06:00 sollen wir bereit zur Abfahrt sein. Wir sind pünktlich am Treffpunkt und die Überraschung ist groß! Man hat für uns beide einen eigenen Wagen organisiert. Während die anderen Gruppen sich mit 10 Personen in die Jeeps quetschen müssen, fahren wir beide hochherrschaftlich in unserem eigenen Fahrzeug, das von Paulus, unserem privaten Chauffeur und Führer gesteuert wird, genauso haben wir uns das auch vorgestellt.
Wir erreichen den Eingang des Parks. Es warten bereits ein paar Fahrzeuge, aber der Pförtner lässt sich nicht blicken. Die Leute werden unruhig, man hupt und schimpft, aber nichts tut sich. Ein wenig mehr Pünktlichkeit könnte hier nicht schaden. Zu unserer großen Freude entscheidet unser Fahrer, dass wir lange genug gewartet haben und fährt einfach ohne Passierschein um die Schranke herum. So sind wir heute morgen die ersten Besucher im Park. Inzwischen ist die Sonne aufgegangen und taucht die Berge und Dünen in ein phantastisches Licht. Wieder einmal sind wir völlig davon überwältigt, wie viel verschiedene Braun- Rot- und Ockertöne um uns herum aufleuchten; eigentlich müsste man sich irgendwo hinsetzen und das Farbenspiel am frühen Morgen einfach nur genießen, aber dafür haben wir keine Zeit, vor uns liegen noch 60 Kilometer Fahrt. So geht es weiter die löcherige Piste entlang und wir sind froh, dass wir diese Strecke nicht mit dem eigenen Fahrzeug fahren müssen. Wir halten ab und zu an, damit ich ein paar Fotos schießen kann, plötzlich taucht in dieser extrem trockenen Gegend unvermittelt eine Oryxantilope auf. Sofort stellt sich uns die Frage: Wie kann dieses Tier hier überleben? Wir wissen aber, dass diese Antilopenart mit sehr wenig Wasser auskommen kann und vermutlich seit tausend Jahren hier ihren Platz gefunden hat.


Nach einer Stunde erreichen wir die berühmte und oft fotografierte Düne 45. Man parkt direkt neben der Düne und kann sie relativ einfach erklimmen, deshalb ist hier immer Betrieb, das sieht man an den vielen Fußspuren im Sand. Wir verzichten auf die Besteigung und fahren weiter. Auf der linken Seite sehen wir eine Straußenfamilie, Vater, Mutter und zwölf Kinder. Als sie uns bemerken, entfernen sie sich eilig. Paulus ist erstaunt und sagt uns, eine so große Kinderschar hätte er hier in der Wüste noch nie gesehen. Glück muss man haben!
Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir die Salzpfanne. Hier stoppen wir, steigen aus und betrachten die Düne direkt vor uns. Sie leuchtet in zartem Rosa und die Silhouette hebt sich scharf vom tiefblauen Himmel ab. Nur der Dünenkamm ist unscharf, das liegt an dem stetigen Wind, der den Sand über den Kamm bläst und so dafür sorgt, dass sich die Düne im Laufe der Zeit verändert. Wir beginnen mit dem Aufstieg, das ist eine unglaubliche Erfahrung. Obwohl es noch früh am Morgen ist, entwickelt die Sonne schon sehr viel Kraft. Der Sand ist sehr weich und gibt nach, bei jedem Schritt sinkt man ein. Wir müssen uns genau auf dem Kamm der Düne bewegen, um nicht nach links oder rechts abzurutschen. Ich finde, das Laufen hier ist vergleichbar mit einer Wanderung im tiefen Schnee. Da es bergauf geht, rutscht man bei jedem Schritt wieder ein Stück zurück, das gestaltet die Sache bei der aufkommenden Hitze sehr anstrengend und man benötigt viel mehr Zeit, als man glaubt.  Die leichte Brise, die über den Kamm weht, verschafft keine Kühlung, dafür ist die Luft schon zu warm. Dafür schmirgelt der aufgewehte Sand an unseren nackten Beinen. Irgendwann schaffen wir es schließlich auf den „Gipfel“ der Düne und werden mit einem phantastischen Rundumblick belohnt. Wenn man sich hier oben um die eigene Achse dreht, sieht man nur Sand, Dünen und Berge, soweit das Auge reicht. Man kommt sich als Menschlein plötzlich sehr klein und bescheiden vor in dieser scheinbar unendlichen, trostlosen, heißen und trockenen Einsamkeit. Das einzige Geräusch, dass man hört ist eine Art Zirpen, verursacht durch die Sandkörner, die vom Wind aufgewirbelt werden. Ich messe eine Höhe von 102 m. Auf der anderen Seite der Pfanne erhebt sich majestätisch „Big Daddy“, mit 380 Metern angeblich die höchste Düne der Welt. Wir hatten bereits Gelegenheit, diese Düne zumindest im Fernsehen kennen zu lernen: In einer TV-Serie erklimmen die zwei Hauptdarsteller diese Düne und bereits beim Sehen dieser Dokumentation wurde mir klar, dass es kein Kinderspiel ist. Ich stehe nun auf „meiner“ Düne, und sehe drüben tatsächlich eine einsame Gestalt, die dabei ist, „Big Daddy“ zu erklimmen. Ich habe eine riesige Hochachtung gegenüber dieser unbekannten Person.
Plötzlich ist es vorbei mit der Einsamkeit. Eine andere Gruppe, die mit uns losgefahren ist, aber am Parkeingang länger gewartet hat, erreicht die Düne und beginnt den Aufstieg. Zeit für uns, wieder abzusteigen. Doch dabei bleiben wir immer wieder kurz stehen und genießen diese beeindruckenden Ausblicke. Als wir den Fuß der Düne wieder erreichen, hat Paulus bereits den Frühstückstisch gedeckt und so sitzen wir hier in der Wüste unter einem uralten Baum und genießen ein reichhaltiges Frühstück in einer traumhaften Umgebung, beobachtet von ein paar Zaungästen in Form von kleinen Vögeln, die sich auf den Ästen des Baumes niedergelassen haben. Selbst meine Frau, die eigentlich nie in die Wüste wollte, ist inzwischen dem speziellen Zauber, den diese Gegend ausstrahlt, erlegen und will gar nicht mehr weg.


Nach dem Frühstück geht es aber weiter zu einer benachbarten Salzpfanne, genannt „Death Vlei“ also „Pfanne des Todes“. Wir verlassen den Jeep und müssen – inzwischen herrscht eine Gluthitze, die aber durch die extrem trockenen Luft gut zu ertragen ist - noch einige Zeit durch den heißen Sand laufen und eine flache Düne überwinden. Dann erreichen wir „Death Vlei“. Uns wird sofort klar, woher dieser Name kommt. In dieser Salzpfanne stehen einige abgestorbene Bäume, alle sind kohlrabenschwarz. Das gibt dem Ganzen eine Todesstimmung. Für Fotografen ist dieser Platz ein Traum: Wir haben einen phantastischen blauen Himmel, der Boden der Pfanne ist weiß, die Dünen sind rosa und dazu als Kontrast die schwarzen Baumreste – Fotografenherz, was willst Du mehr! Es gibt wenige Plätze, an denen wir uns in ähnlicher Weise so sehr als kleiner, unbedeutender Teil der Natur fühlten, wie an diesen zwei Orten in der Wüste.


Wir verlassen schweren Herzens diesen wundervollen Ort und fahren langsam zurück, machen hier und da noch einen kurzen Stopp und erreichen um die Mittagszeit wieder die Lodge. Wir sind uns einig, dass dieser Trip in die Wüste ein absolutes Highlight war und auch meine Frau, die ja am Anfang meiner „Wüstenplanung“ eher skeptisch entgegensah; ist inzwischen froh, dass wir diesen Traum realisiert haben. Für mich steht fest, dass diese Reise in die Wüste nicht die letzte Reise dieser Art gewesen ist, schließlich gibt es im Dreiländereck Südafrika, Namibia, Botswana noch die älteste Wüste der Welt, genannt Kalahari…

Dieser Reisebericht ist geistiges Eigentum von Albatros Urlaub. Jede Veröffentlichung - auch auszugsweise - ist nur mit schriftlicher Genehmigung von Albatros Urlaub gestattet.


 

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Fahrt durch die Namib

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Abendstimmung im Namib-Naukluft NP

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Düne 45 im Namib-Naukluft NP

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Düne "Big Daddy

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Mitten in der Unendlichkeit

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Tolles Panorama im Sossusvlei

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Dünenwanderung

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Frühstück in der Wüste

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Death Vlei 1

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Death Vlei 2

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Grandiose Landschaft

 

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