Reisebericht Botswana - Sehen und gesehen werden
2010-07-24 09:05 von Walter Sabaschkow
Auf Löwenpirsch
|
Wenn man sich mit dem Safarifahrzeug auf der Pirsch befindet und unvermittelt auf Löwen trifft, ist das Verhalten der Raubkatzen gegenüber dem Wagen und seinen Insassen für mich immer wieder faszinierend. Obwohl wir im Jeep hin- und herrutschen um besser fotografieren zu können, erscheinen den Löwen die Insassen und das Fahrzeug als eine Einheit. Ich finde es absolut aufregend, wenn die Katzen sich ganz nah am Wagen aufhalten, mir sogar in die Augen schauen, aber mich anscheinend trotzdem nicht als Individuum und damit als mögliche Beute erkennen. Allerdings wird man von den Rangern immer wieder daran erinnert nicht aufzustehen (das ist in offenen Jeeps ohne Dach problemlos möglich) und sich auch nicht aus dem Fahrzeug herauszulehnen, denn das würde die Löwen dann doch neugierig machen. Wir haben selbst erlebt, dass die Tiere sehr wohl auf Menschen, die nicht mit der Fahrzeugsilhouette verschmelzen, reagieren.
Wir fahren rückwärts um eine Biegung und Scooper krabbelt über die Haube auf den Beifahrersitz. Dann bewegen wir uns wieder vorwärts, direkt auf die Tiere zu. Inzwischen sind noch zwei Löwen erschienen, die Gruppe besteht also jetzt aus vier Raubkatzen. Die zwei Löwen, die uns zuerst entdeckt haben, kommen immer näher. Wir können die Gedanken der Tiere förmlich spüren: „Das gibt´s doch nicht, eben war etwas an dem Wagen, das hat doch ausgesehen wie Beute!“. Während eine Katze direkt an Ruths Seite am Jeep entlang schleicht und uns eindringlich mustert, hat Balepi den Motor ausgemacht und kommentiert mit dramatisch klingender Stimme das Geschehen: „… und die Löwen kommen immer näher. Sie haben mächtigen Hunger und wollen Scooper zum Abendessen. Wo ist Scooper plötzlich? Eben haben sie ihn noch deutlich gesehen. Er muss doch irgendwo hier sein!“ Ruth mag dem Löwen direkt neben ihr nicht mehr in die Augen schauen und legt sich quer über meine Knie. „Balepi, du bist verrückt, sei jetzt endlich still!“, zischt sie unserem Fahrer zu. Der kichert nur vor sich hin und hört natürlich nicht auf, mit dramatischer Stimme zu reden. Scooper grinst nur breit und die Löwen teilen sich auf. Zwei beziehen ihre Position hinter dem Jeep, zwei bleiben vor uns; die Piste ist also blockiert. Und immer wieder erkennen wir das große Fragezeichen in den Augen der Raubkatzen: „Wo ist unsere Beute plötzlich hin?“. Obwohl ich damit beschäftigt bin ein paar schöne Schnappschüsse zu machen, regt sich in meinem Hinterkopf ein ungutes Gefühl. Es ist klar, die Löwen haben genau gesehen, dass etwas an unserem Autos sein muss, das vielleicht fressbar ist. Trotzdem kommen sie nicht auf die Idee, in unseren Jeep hinein zu springen und sich die ganze Angelegenheit mal von nächster Nähe aus anzusehen; nur warum nicht?
Dieser Reisebericht ist geistiges Eigentum von Albatros Urlaub. Jede Veröffentlichung - auch auszugsweise - ist nur mit schriftlicher Genehmigung von Albatros Urlaub gestattet. |
Stopp! Futterkontrolle
Neugierige Löwen 2
|




Einen Kommentar schreiben