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Wir sind mit einem kleinen Buschflugzeug von Botswanas „Safari-Hauptstadt“ Maun ins Okavango-Delta geflogen. Für Besucher, die eine unverfälschte Wildnis suchen ist diese Gegend einfach ein Muss. Das Prickelnde an unserem Zeltcamp ist, dass es keinerlei schützende Zäune gibt, die wilden Tiere können einem jederzeit und überall begegnen.
Die Manager des Camps haben uns begrüßt und unser Gepäck wurde bereits ins Luxuszelt gebracht. Während meine Reisebegleiter sich an den Pool des Camps begeben, setze ich mich auf die Holzveranda vor dem Zelt. Der Elefantenkot unter dem Baum vor der Veranda ist mir bereits nach einigen Sekunden aufgefallen und mir ist klar, dass ich die Chance habe direkt vor unserem Zelt auf die grauen Riesen zu treffen. Ich habe die Kamera in Griffweite, setze mich auf die Veranda in einen Stuhl und warte ab.
Zuerst trauen sich ein paar Baumhörnchen hervor, dann erscheinen einige der prächtigen Glanzstare. Sie haben ein blau-metallisch schimmerndes Federkleid, das sich je nach Einfall des Sonnenlichtes farblich noch ein wenig verändert. Plötzlich raschelt es hinter dem Zelt. Ich drehe mich um und da kommen sie! Eine Gruppe von sechs Elefanten, schön im Gänsemarsch, kommt den Hauptpfad entlang und biegt genau an „unserem“ Zelt ab, um ans Ufer zu gelangen. Die Tiere laufen dicht an mir vorbei und stellen sich direkt unter den Baum, der dem Zelt Schatten spendet. Während sich eine Elefantenkuh mit ihrem Jungtier etwas im Hintergrund hält, bewegen sich die anderen keine vier Meter von mir entfernt zwischen der Veranda und dem Ufer. Ich bin erst etwas ängstlich, ziehe den Reißverschluss auf und stelle mich dicht an den Eingang um mich im Zelt unsichtbar zu machen falls die Elis nicht mit meiner Anwesenheit einverstanden sind; aber ich merke ziemlich schnell, dass wir sozusagen eine „Vereinbarung“ haben. Das Zelt und die Holzveranda ist mein Gebiet, die Wiese am Ufer ist Elefantengebiet. Die von beiden Seiten akzeptierte Grenze ist der schmale Sandstreifen zwischen Veranda und Gras.
Ich werde etwas mutiger, nehme meine Kamera und laufe langsam auf der Veranda hin und her, um Fotos zu machen. Die Elefanten beobachten mich genau, aber ihre Körpersprache zeigt mir, dass ich sie nicht störe, solange ich in meinem Revier bleibe. Vor dem Zelt ist ein Schnauben, Gurgeln und Grunzen zu hören; zwei der jüngeren Elefanten stoßen sich gegenseitig weg, um ein besonders fettes Büschel Gras zu rupfen oder ein wenig mehr Schatten unter dem Baum abzubekommen. Es sieht aus wie bei zwei Jungs, die sich zum Spaß gegenseitig etwas ärgern. Ich stehe auf meiner Veranda und beobachte den Auftritt. Mein Adrenalinspiegel ist ganz oben, aber es ist keine Angst, sondern nur ein starkes Glücksgefühl, dass ich so etwas wirklich am allerersten Tag erleben darf. Vielleicht verspürt ein Fallschirmspringer ein ähnliches Gefühl, wenn er sich aus dem Flugzeug stürzt; auf jeden Fall ist die Begegnung mit den Elefanten auf solch eine kurze Distanz einfach das Allergrößte für mich.
Inzwischen ist bestimmt eine halbe Stunde vergangen, die Elefanten fühlen sich sichtlich wohl und sogar das Elefantenkind darf sich ein wenig von seiner Mutter fortbewegen. Ich hoffe nur, dass es mir nicht zu nahe kommt und ich so den Zorn der Mutter auf mich ziehe. Außerdem habe ich so eine Ahnung, dass meine Frau bald mal nach mir schauen wird und ich möchte auf keinen Fall, dass sie von den Elefanten überrascht wird. Eine schwierige Situation, denn ich kann ja nicht einfach zum Pool laufen ohne die Elefanten zu stören. Also fotografiere und beobachte ich erst einmal weiter. Zwischendurch schaue ich auf den Weg, den Ruth entlang kommen wird, und siehe da – ich kann beobachten, wie sie um die Ecke kommt, die Situation erfasst, kurz anhält, sich langsam umdreht und ohne Hektik den Rückzug antritt. Sie hat also die Elefantengruppe rechtzeitig bemerkt und den Sicherheitsabstand einhalten können. Ich applaudiere ihr lautlos, denn sie hat sich perfekt verhalten. Man merkt, dass es nicht ihre erste Begegnung mit wilden Tieren ist. Jetzt bin ich vollkommen beruhigt, denn es kann keine unliebsamen Überraschungen mehr geben.
So konzentriere ich mich entspannt auf meinen Besuch, der aber beschließt nach ein paar Minuten am Ufer weiter zu wandern. Der junge Elefant kommt noch einmal ganz dicht am Zelt vorbei, doch die Mutter ist bereits ein Stück weiter gegangen und so muss ich mir keine Sorgen machen. Nachdem sich die ganze Gesellschaft verzogen hat, kann ich endlich Richtung Pool marschieren um den anderen mein Abenteuer zu erzählen. Meine Frau ist beruhigt, als sie mich wohlbehalten sieht, Freundin Petra hört interessiert zu, nur unser Mitreisender Peter schaut ein wenig neidisch. Kurz darauf ist er verschwunden. Während ich noch den Managern von meiner Begegnung erzähle und mich für die „Show“ bedanke, kommt Peter ganz aufgeregt von seiner Pirsch zurück. Er ist den Elefanten tatsächlich nachgegangen um Fotos zu machen. Dabei hat er allerdings das Junge übersehen. Das Elefantenkind stand plötzlich neben ihm, hat sich erschrocken und ist zu seiner Mama gerannt. Peter kann von Glück sagen, dass die Mutter diese unverhoffte Begegnung anscheinend nicht richtig mitbekommen hat, denn das hätte leicht böse für ihn ausgehen können!
Der Unterschied zu meiner Begegnung und damit das Risiko für Peter liegt auf der Hand: Während die Elefantengruppe mir freiwillig einen Besuch abstattete und den Abstand zu mir jederzeit selbst bestimmen konnte, ist Peter den Elefanten hinterher geschlichen. Als er das Elefantenkind überrascht hat, wurde der „Respektabstand“ nicht eingehalten, und so etwas kann natürlich lebensgefährlich werden. Aber Peter hat Glück gehabt und steht wieder unversehrt neben uns.
Die meisten wilden Tiere im südlichen Afrika akzeptieren die Anwesenheit des Menschen in ihrem Revier und man muss keine übertriebene Angst vor einer Begegnung mit ihnen haben. Trotzdem ist es dringend erforderlich, allen Tieren immer den nötigen Respekt zu erweisen, denn eigentlich sind wir ja nur geduldete Gäste in einer uns fremden, aufregenden Welt.
Dieser Reisebericht ist geistiges
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Blick vom Zelt in die Wildnis

Der Überraschungsbesuch naht

Nervenkitzel inbegriffen

Ein Platz in Reihe eins

Rüsselbild: Noch näher geht nicht
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