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Wir haben eine Nacht in Namibias Caprivistreifen direkt an den Popa Rapids (Stromschnellen) verbracht und wollen heute nach Botswana einreisen. Wenige Minuten nach unserem Start erreichen wir den Eingang des Mahango Parks. Wir grüßen die Ranger, tragen uns ins Buch ein und folgen der Schotterstraße Richtung Süden. Ein Stück weiter befindet sich die Grenzstation. Wir sind heute Mittag die einzigen Reisenden. Gelangweilt sitzen die Grenzbeamten hinter ihren Schreibtischen. Als sie feststellen, dass wir Deutsche sind hellt sich ihre Miene auf und sie versuchen mit uns ins Gespräch zu kommen und ihren deutschen Wortschatz aufzufrischen. Wir haben das Gefühl sie sind froh, dass wir etwas Abwechslung in ihren Dienst bringen. Nachdem wir wieder einmal ein Ausreiseformular ausgefüllt haben und noch ein Stempel in unsere Pässe gedrückt wurde, verlassen wir Namibia um einige Meter weiter die Einreiseformalitäten in Botswana hinter uns zu bringen.
Eine Stunde später erreichen wir unsere nächste Station, am Ufer des Okavango. Für mich hat der Fluss eine magische Anziehungskraft. Er entspringt als Cubango in den Bergen Angolas, fließt dann Richtung Süden nach Namibia, durchquert den Caprivizipfel, rauscht durch die Popa Stromschnellen und bildet nach etwa 1.700 km ein riesiges Flussdelta, dessen Wasser in der Kalahari versickert. Manchmal wird das Delta mit einer Pfanne verglichen und der Zufluss mit dem Pfannenstiel. Dort, im oberen Drittel des Pfannenstiels, ankert unser Boot.
Die drei Männer unserer Crew warten schon auf uns. Wir tragen unsere Sachen auf das Boot, das Auto wird auf einen umzäunten Parkplatz gefahren und dann legen wir ab. Wir inspizieren unser schwimmendes Hotel und sind hoch erfreut. Es ist ein einstöckiges Hausboot, im Erdgeschoss gibt es vier Schlafräume, eine Treppe führt in den ersten Stock. Das Boot ist weiß gestrichen, die Treppe und der Bodenbelag im ersten Stock sind aus dunklem Holz. Der Mannschaftsraum und der Motor befinden sich am Heck; dort ist auch ein kleines Motorboot vertäut, damit werden wir unsere Exkursionen auf dem Fluss unternehmen. Meine Frau und ich beziehen einen Schlafraum am Bug. Er ist nicht sehr groß, hat aber zwei Betten mit Moskitonetzen und einem Nachttisch in der Mitte, eine Toilette und sogar eine Duschkabine – mehr brauchen wir auch nicht. Wir können uns auf das Bett legen und durch die verglaste Eingangstür direkt auf den Fluss blicken. Wir räumen unsere Sachen ein, gehen die Treppe hoch in den ersten Stock und stehen auf einer großen, überdachten Aussichtsterrasse. Am anderen Ende gibt es eine Bar bzw. die Küche, abgetrennt mit einer Theke; davor ist ein Tisch mit Stühlen aufgebaut. Wir haben zwar ein Dach über dem Kopf, aber es gibt keine Wände. Die Terrasse ist auf drei Seiten offen und nur mit einem Geländer begrenzt, man hat also freie Aussicht auf den Fluss und die Umgebung – herrlich! Während wir Stromaufwärts tuckern setzen wir uns an den inzwischen gedeckten Tisch und bekommen ein gutes Mittagsessen. Langsam zieht die Landschaft in gleißendem Sonnenlicht an uns vorüber, wir genießen noch ein Glas gut gekühlten Weißwein und machen es uns nach dem Essen auf ein paar Sesseln bequem. Man kann diese Sessel auch ausklappen und sich komplett hinlegen - nicht schlecht, so kann man es hier prächtig aushalten!
Wir betrachten uns die Ufer des Okavango. Links und rechts erstreckt sich ein unendlich erscheinendes Papyrusdickicht bis zum Horizont, ab und zu können wir am Ufer Frauen erkennen, die das Gewächs abschneiden und zu großen Bündeln zusammen binden. Die hohen Stängel eignen sich sehr gut als Dach für ihre Hütten und Häuser. Die Bündel werden am Ufer abgelegt und von Mokoros (Holzbooten) abgeholt. Wir erreichen eine Biegung mit einem sandigen Uferabschnitt, dahinter kann man Hütten erkennen. Am Ufer stehen Dorfbewohner mit ein paar Eseln. Ein Stück weiter waten einige Frauen fast bis zur Hüfte im Wasser. Sie tragen Fischreusen und wollen sich vermutlich noch ihr Abendessen aus dem Fluss holen. Am Nachmittag wird das Boot langsamer. Wir steuern das Ufer an und gehen vor Anker. Auch hier wird der Fluss von einer undurchdringlichen Wand aus Papyrusstängeln gesäumt, die erreichen spielend eine Höhe von drei Metern. Aufgelockert wird die grüne Wand nur durch ein paar Tunnel die augenscheinlich von Hippos angelegt wurden. Hier können sie das Wasser verlassen, um im Hinterland zu grasen. Einer dieser Hippowege führt genau an unserem Bug und damit nur ein paar Meter vor unserem Schlafzimmer vorbei. Na hoffentlich werden die Flusspferde sich nicht heute Nacht bei uns beschweren!
Nachdem das Hausboot festgezurrt ist wechseln wir in das kleine Beiboot und legen ab. Wir fahren noch ein Stück den Fluss hinauf während die Abendsonne alles in ein rotgoldenes Licht taucht. Hier am Fluss gibt es viele Vögel, besonders die Reiherkolonien sind beeindruckend. Immer wenn wir näher kommen fliegen die Vögel auf, um ein Stück weiter wieder zu landen. Wenn wir dann diese Stelle erreichen, geht das Spiel wieder von vorne los. Ab und zu müssen wir unsere Geschwindigkeit drosseln, denn auf dem Fluss sind zahlreiche Fischer mit ihren Mokoros unterwegs. Wenn die Boote beladen sind ragen die Bordwände nur wenige Zentimeter aus dem Wasser heraus. Werden die Mokoros von unserer Heckwelle getroffen dann schaukeln sie bedenklich. Unser Bootsführer ist hier in der Nähe aufgewachsen, schon deshalb achtet er genau darauf, dass er keinen der Fischer in Gefahr bringt, schließlich gibt es hier eine Menge Krokodile im Fluss und am Ufer. Wir fahren jetzt wieder langsam am Ufer entlang, unser einheimischer Begleiter hat geschulte Augen und macht uns auf einen Malachit-Eisvogel aufmerksam. Dieser kleine Vogel hat leuchtende, überwiegend blaue Farben und ist ein interessantes Objekt für Fotografen. Allerdings sitzt er fast nie still und seine Bewegungen sind immer ruckartig. Wenn wir ihn ausgemacht haben, versucht unser Bootsführer das Boot langsam ans Ufer treiben zu lassen. Meistens wartet der Eisvogel so lange bis ich die Kamera in Position gebracht habe und der Entfernungsmesser sich eingestellt hat. Sobald ich aber auf den Auslöser drücken will ist das Vögelchen schon längst wieder verschwunden. Und wieder einmal erleide ich das typische Schicksal von Tierfotografen. Viel Aufwand und wenig Erfolg. Aber ich weiß, ich muss Geduld haben, Geduld und noch mal Geduld. Langsam geht die Sonne unter und taucht den Horizont in ein flammendes Rot – ein tolles Bild, dass wir auch genießen, aber leider, wie bereits erwähnt, geht die Sonne in den Tropen viel schneller unter als bei uns in Europa. Im letzten Dämmerlicht erreichen wir wieder unser Hausboot. Wir ziehen langärmelige Hemden und lange Hosen an, besprühen alle freien Hautstellen intensiv mit Mückenspray und ich ziehe mir noch eine Kappe mit Nackenschutz auf, um so wenig Angriffspunkte wie möglich zu bieten. So ausgestattet treffen wir uns auf dem oberen Deck zum Abendessen. Da sitzen wir nun beim Schein der Petroleumlampen, die Sterne glitzern am Nachthimmel, am Horizont verschwindet das letzte Abendrot, die Luft ist mild, wir werden von unserer Crew bedient und können uns ganz aufs Genießen konzentrieren. Soweit wir blicken sehen wir nur Wildnis. Ganz in der Ferne leuchtet ein rotes Licht an einem Mast auf und siehe da: es scheint ein Funkmast zu sein, denn unsere Mobiltelefone funktionieren! Es ist ein merkwürdiges Gefühl mitten in Afrika auf dem Okavango zu ankern und trotzdem mit der Heimat zu telefonieren! Nach dem Essen ziehen wir uns zurück. Schnell schlafen wir ein, begleitet von einem tausendfach angestimmtes Froschkonzert. Man kann in der Nacht auch das vertraute Grunzen der Hippos hören, aber sie rammen anscheinend nicht unser Boot, so wie sie das noch in der vorletzten Nacht mit unserer Hütte am Kwando gemacht haben.
Wieder einmal wachen wir beim ersten Tageslicht auf. Ich ziehe den Vorhang an der Glastür zur Seite und wir blicken auf den Okavango. Ich öffne unsere Schiebetür und bemerke, dass es draußen wieder ganz schön kühl ist, also schnell die Tür geschlossen und erst einmal unter die Dusche! Nachdem wir uns angezogen haben, gehen wir aufs Oberdeck. Ich bin wieder einmal fasziniert von dieser friedlichen Stimmung am Morgen. Wir haben vom Oberdeck einen wunderbaren Ausblick auf den Fluss und seine Ufer. Auf der gegenüberliegenden Seite ist schon Leben in der Reiherkolonie, die ersten Vögel fliegen bereits zu ihren bevorzugten Fischgründen. Auch die Schlangenhalsvögel ziehen am Boot vorbei und ein Schwalbenpaar, das uns schon seit Beginn unserer Reise begleitet, fliegt immer wieder ums Boot und setzt sich nur manchmal für einige Sekunden auf die Reling. Die Vögel sind hübsch anzusehen mit ihrem Gefieder in blau-metallic und ihrem rostrot gefärbten Kopf. Die Jungs von der Crew haben schon den Tisch gedeckt und bald können wir mit dem Frühstück beginnen. Sobald die Sonne über den Horizont gekommen ist, dauert es nicht mehr lange und es ist angenehm warm. Wir frühstücken gemütlich, dann wechseln wir in unser Beiboot und fahren flussabwärts Richtung Shakawe, einem Ort mit ca. 10.000 Einwohnern. Wir unterbrechen häufig unsere Fahrt, um Eisvögel, Reiher, Schreiseeadler und viele andere Vögel zu beobachten. In der Nähe des Ortes gibt es eine steile Uferwand. Hier haben herrlich bunte Vögel aus der Familie der Bienenfresser (Spinte) ihre Höhlen gebaut. Die einen haben ein grün-blaues Gefieder mit rotem Hals, die anderen sind feuerrot, nur am Kopf und am Hinterteil sind sie türkis eingefärbt; es ist ein tolles Farbenspiel am frühen Morgen. Wir schauen auf ungefähr 150 Vögel die vor ihren Höhlen sitzen, in Wahrheit sind es mehr, aber die Vögel in den Höhlen können wir nur sehen wenn sie zu einem neuen Flug starten. Wir treffen auf eine dem Flussufer vorgelagerte Sandbank. Bereits als wir uns der Stelle nähern, fliegt ein „African Skimmer“ aufgeregt um uns herum. Bald wissen wir warum, denn sein Weibchen brütet auf der Sandbank. Der Vogel ist schwarz gefärbt, nur der halbe Kopf und die Brustpartie sind mit weißen Federn bedeckt, dazu trägt er einen Schnabel in knalligem Rot. Die ganze Bootsfahrt über sehen wir unzählige Reiher, dazwischen Schlangenhalsvögel und Ibisse, hin und wieder einen Nimmersatt. Am Ufer tummeln sich Malachit-Eisvögel, Graufischer und Riesenfischer (engl: Kingfisher), auch die Anzahl der Schreiseeadler ist unglaublich hoch, und somit steht für mich fest: Der Okavango muss ein äußerst fischreicher Fluss sein.
Bald darauf erreichen wir Shakawe. Wir schlendern vom Anlegesteg zum Zentrum des Städtchens. Es ist Sonntag und viele Bewohner haben sich entsprechend herausgeputzt und treffen jetzt auf dem zentralen Platz Freunde und Bekannte um ein wenig zu Plaudern und Neuigkeiten auszutauschen. Ich entdecke ein großes Werbeschild: „Shakawe Internet Cafe“. Der Inhaber des Cafes bietet auch einen Fotokopier- und Faxservice, außerdem hat er Beerdigungen im Programm - genauso steht es auf dem Schild! Ich finde, das ist eine interessante Kombination. Wenn es mit dem Internet nicht so klappen sollte, kann man sein Geld ja immer noch mit Beerdigungen verdienen und dieses Geschäft ist todsicher! Wir schauen uns kurz im Städtchen um und kehren bald zum Boot zurück. Weiter geht es den Fluss hinunter bis zur Fähre, die Namibia und Botswana miteinander verbindet. Wir treten den Rückweg an und machen immer wieder Abstecher zum Ufer, um Vögel oder Krokodile zu beobachten. Wir biegen in einen anderen Flussarm ein und verlieren bei dem Gewirr von schmalen Kanälen und hohem Papyrus schnell die Orientierung; zum Glück weiß unser Begleiter immer genau wo er sich befindet. Die seitlichen Kanäle sind dicht bewachsen mit Wasserlilien, hier fühlt sich der Jacanda mit seinen großen Füßen zu hause. Am Ufer sitzt ein Schreiseeadler und beobachtet uns skeptisch. Als wir die Geschwindigkeit drosseln fliegt er sofort davon. Die Sonne hat den Horizont fast erreicht und es wird merklich kühler. Zeit um unser Hausboot aufzusuchen. Beim anschließenden Abendessen blicke ich hinaus, der Himmel ist pechschwarz, übersät mit Millionen von glitzernden Punkten und der Mond steht übergroß am Horizont. Der Trabant ist hell erleuchtet, denn wir haben Vollmond, er erscheint extrem nah und man kann die Oberfläche unglaublich klar erkennen. Wir hatten mal wieder mal einen tollen Tag, den ich nicht missen möchte.
Beim ersten Morgenlicht sind wir wieder wach. Ich ziehe den Vorhang zur Seite und wir genießen einen Moment den tollen Ausblick auf den Fluss. Während wir frühstücken, macht unsere Crew das Boot klar und wir tuckern wieder in Richtung Shakawe zu unserer Anlegestelle. Ich genieße noch einmal die leuchtenden Blau-, Grün- und Brauntöne der Flusslandschaft in der frühen Morgensonne. Und immer wieder wird das Ufer gesäumt von zahllosen Reihern und anderen Wasservögeln. Gegen 09:00 Uhr sind wir zurück am Ausgangspunkt, wir bedanken uns bei der Crew für die angenehme Zeit, laden unser Gepäck in den Wagen und folgen dem Okavango Richtung Maun, der „Safari-Hauptstadt“ Botswanas.
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 Unser schwimmendes Hotel

Fabelhafter Ausblick

Computershop in Shakawe

Fischer auf dem Okavango

Die goldene Stunde
 Malachit-Eisvogel mit Beute

Riesen-Eisvogel

Karminspinte (Bienenfresser)

Reiher beim Rundflug

Afrikanischer Fischadler mit Beute

Bitte keine hohen Wellen !

Reiherkolonie am Okavango

Perfekter Sonnenuntergang
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