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Wenn man in den Reservaten mit dem Wagen unterwegs ist, kommt man fast immer nah an die Tiere heran. Fahrzeuge und die Menschen darin bilden für die Parkbewohner eine Einheit, deshalb ignorieren sie normalerweise dieses „Ding“, obwohl es ja stinkt und ungewöhnlichen Lärm macht. Für die Menschen ist es bequem, in erhöhter Position die Tiere unter relativer Sicherheit präsentiert zu bekommen. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn man eine Safari zu Fuß unternimmt.
Das Aussteigen in den Parks ist – bis auf wenige Stellen – strengstens untersagt, und das aus gutem Grund. Es kommt immer wieder zu Todesfällen, weil leichtsinnige Touristen nicht die einfachsten Regeln im Umgang mit wilden Tieren beachten. Bushwalks (Buschwanderungen) werden in vielen Parks von der Parkverwaltung angeboten, dabei kann man zwischen Wanderungen von zwei Stunden bis zu einer Woche Dauer wählen. In der Regel werden diese Wanderungen mit maximal acht Teilnehmern sowie zwei bewaffneten Rangern durchgeführt. Man sollte Kleidung in gedeckten Farben, vorzugsweise Braun- oder Grüntöne, tragen und – so steht es extra in den Informationsblättern – kein starkes Parfum oder Rasierwasser benutzen. Die Gründe dürften klar sein. Wir verbringen zwei Nächte im Olifants Camp im Krügerpark und beschließen an solch einem Bushwalk teilzunehmen. Wir hatten ja bereits in einem früheren Urlaub Erfahrung bei einer drei Tage dauernden Wanderung gesammelt und wussten, was uns erwartet. Da wir uns nicht zu sehr anstrengen wollen, suchen wir uns eine zweistündige Wanderung aus, einen sogenannten Riverwalk (Wanderung am Fluss). Als wir uns am frühen Vormittag am Treffpunkt einfinden, stellen wir zu unserer Freude fest, dass wir die einzigen Teilnehmer sind – da haben wir mal wieder Glück gehabt. Die zwei Ranger begrüßen uns, geben uns noch eine kurze Einweisung und sind zufrieden, als sie von unserer Wochenendwanderung im Hluwhluwe Reservat hören. Wir besteigen den Jeep und fahren zum Fluss, den wir auf einer schmalen Brücke überqueren. Während wir uns auf der Brücke befinden, macht uns der Ranger auf einen Elefanten aufmerksam, der ein Stück weiter weg im Schilf gemütlich sein Frühstück zu sich nimmt.
Der Wagen hält und wir springen heraus. Dann geht es los Richtung Flussufer, wir immer schön zwischen unseren beiden Begleitern, die noch ihre Gewehre schussbereit machen. Allerdings muss man sich immer vor Augen halten, dass die Schusswaffen wirklich nur das allerletzte Mittel darstellen, um das eigene Leben zu retten. In 99,9 Prozent aller Fälle bleiben sie unbenutzt. Die beiden Ranger zeigen uns verschiedene Pflanzen und erklären uns deren praktische Anwendung; auch auf Tierspuren werden wir hingewiesen. Wir bewegen uns langsam in die Richtung, in der wir den Elefanten gesehen haben. Ich muss sagen, dass sind genau die Momente, die ich liebe. Man bewegt sich auf ein großes wildes Tier zu und kann sich trotzdem relativ sicher fühlen, da man von zwei Profis begleitet wird. Wir stoßen auf eine breite Schleifspur, die vom Flussufer weg ins Dickicht führt. Flüsternd erklären uns die Ranger, dass vielleicht ein Raubtier seine Beute hier entlanggeschleppt hat, aber kurze Zeit später stellt sich heraus, dass ein Flusspferd der Verursacher der Spur gewesen sein muss. Das darf uns keinesfalls ruhiger machen, denn durch Flusspferde sterben in Afrika mehr Menschen als durch Büffel, Elefanten, Nashörner und Raubkatzen zusammengenommen. Eine Grundregel lautet: Vermeide es unbedingt, zwischen ein weidendes Flusspferd und das Flussufer zu kommen, denn dann bist du in tödlicher Gefahr! Sobald sich das Flusspferd unsicher fühlt, rennt es immer Richtung Wasser und walzt dabei wie ein Bulldozer alles nieder. Zudem ist ein Flusspferd viel schneller als ein Mensch.
Wir bewegen uns also vorsichtig weiter, denn die Büsche um uns herum sind ziemlich belaubt und man kann nicht weit sehen. Vom Flussufer her hören wir immer wieder die grunzenden Geräusche der Flusspferde, die sich auf den Steinen sonnen. Plötzlich taucht auf der rechten Seite – vielleicht 15 Meter von uns entfernt – ein Elefantenbulle mit mächtigen Stoßzähnen auf! Er stellt zwar die Ohren auf – ein Zeichen, dass er von uns genervt ist – aber er ist noch unschlüssig, ob er uns angreifen soll. Die Ranger erschrecken kurz, aber schon in der nächsten Sekunde reagieren sie als eingespieltes Team. Während einer einen Stein aufhebt und sich mit ausgestrecktem, wedelndem Arm, der einen Rüssel imitieren soll, und laut schreiend auf den Elefanten zu bewegt, dirigiert uns der zweite sofort hinter ein Gebüsch, bevor er seinen Kollegen mit dem Gewehr sichert. Der Elefant ist verblüfft und legt den Rückwärtsgang ein. Doch schon nach ein paar Sekunden hat er seine Meinung geändert und kommt erneut auf uns zu. Diesmal schreien beide Ranger den Elefanten an, während wir immer noch brav hinter dem Busch stehen. Nun hat der Elefant genug und trollt sich prustend Richtung Flussufer. Das ganze hat sich so schnell abgespielt, dass wir überhaupt keine Zeit hatten, in Panik zu geraten. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass der unverhoffte Besuch des Elefanten zwar einen Adrenalinstoß bei mir ausgelöst hat, aber gleichzeitig hat mich als Fotograf natürlich das Jagdfieber gepackt. Allerdings ist es immer eine schwere Entscheidung zwischen der Chance, gute Fotos zu schießen und der Vernunft, sich lieber hinter dem Busch unsichtbar zu machen.
Als der Elefant im Schilf verschwunden ist, atmen die Ranger tief durch. Sie hatten einfach nicht damit gerechnet, dass er so schnell in unserer Nähe auftauchen würde. Für uns war es faszinierend, wie sich ein so mächtiges Tier unsichtbar machen kann. Wir glauben auch gerne die Geschichte, dass ein Elefant im Buschwerk mit fünf Metern Abstand an einem vorbeilaufen kann, ohne dass man ihn hört oder sieht. Elefanten sind unglaublich leise Tiere! Nach diesen aufregenden Momenten setzen wir unseren Weg ans Flussufer fort. Als wir direkt ans Ufer kommen, bietet uns das Schilf keinen Sichtschutz mehr. Die Flusspferde am gegenüberliegenden Ufer bemerken uns, da die „Gäste“ auf ihrem Rücken, die zahlreichen Madenhacker, sofort auffliegen. In Sekundenschnelle begibt sich die ganze Gesellschaft prustend und grunzend ins Wasser und beobachtet uns missmutig, schließlich haben wir sie beim Sonnenbad gestört! Wir schauen uns die Tiere noch eine zeitlang an, dann kehren wir langsam um und gehen zu unserem Jeep zurück. Nachdem wir wieder ins Camp zurückgefahren sind und die Ranger uns „abladen“ bedanken wir uns noch einmal für das ungewollte Abenteuer und wir sind uns sicher:
Das war nicht die letzte Buschwanderung in Afrika!
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Flusswanderung im Krügerpark

Überraschungsgast im Busch

Zu Fuß im Busch nur in Begleitung von Profis

Sie fühlen sich gestört
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